Hochschule Münster
Elitewettbewerb: Morgen geht es um die Wurst

Donnerstag, 18.10.2007, 12:10 Uhr

Münster . An den deutschen Universitäten wüssten im Moment viele gern, was Gerhard Erker zurzeit in Bonn erlebt. Der Chemie-Professor aus Münster ist Mitglied der 26-köpfigen gemeinsamen Kommission aus Wissenschaftsrat und Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG). Das international hochkarätig besetzte Gremium senkt und hebt heute den Daumen bei der Entscheidung im Elitewettbewerb der deutschen Hochschulen. In der zweiten Runde, die morgen endgültig entschieden wird, sind noch rund eine Milliarde Euro zu vergeben – zur Abstimmung stehen 96 Anträge aus 35 Hochschulen, darunter drei aus Münster.

Prof. Volker Gerke hat in den vergangenen Nächten noch gut geschlafen. Eine gewisse Anspannung mag der Biologe, Sprecher des Exzellenzclusters der Universität Münster im Bereich Biomedizin, aber nicht bestreiten, „obwohl wir ja jetzt nichts mehr ändern können“. Für ihn und die rund 50 beteiligten Wissenschaftler aus mehreren Fachbereichen geht es um rund 32 Millionen Euro, mit denen die Forschung bis 2011 gefördert werden könnte. Im Rennen um die Fördermittel ist ein zweites Exzellenzcluster in den Geisteswissenschaften mit dem Thema „Politik und Religion“ sowie ein Konzept für eine Graduiertenschule im Bereich Chemie, die im positiven Fall mit insgesamt fünf Millionen Euro finanziert würde.

Viel wichtiger als das Geld aber ist das Prestige, mit dem die Exzellenzinititiave von Bund und Land verbunden sei, sagt Prof. Dr. Peter Funke, Mitglied im Senat der Forschungsgemeinschaft und bei der ersten Vergaberunde des Wettbewerbs beteiligt gewesen. So herrscht, auch wenn es momentan an der Universität keiner öffentlich zugibt, erhebliche Nervosität. „Wenn wir im Exzellenzwettbewerb als eine der größten Universitäten Deutschland gar nicht reüssieren, ist der Imageschaden immens“, unkt eine skeptische Stimme.

In den Kreis der maximal zehn so genannten Eliteuniversitäten kann Münster es ohnehin nicht mehr schaffen, weil die Universität in der ersten Vergaberunde im vergangenen Jahr ganz leer ausging. Die beiden Münchener Hochschulen und die Uni Karlsruhe sind bereits gekürt, acht Unis sind jetzt noch um die sieben verbleibenden Plätze im Rennen. Dabei ist aber nicht sicher, ob auch alle Plätze vergeben werden. „Es zählt die Qualität der Konzepte“, betont Marco Finetti, Sprecher der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Und wenn weniger Eliteunis gekürt werden sollten, bleibe mehr Geld für die Finanzierung von Graduiertenschulen und Exzellenzclustern übrig.

Prof. Klaus Mezger , mit dem Leibniz-Forschungspreis dekorierter münsterischer Geowissenschaftler war bei der ersten Vergaberunde als Fachgutachter beteiligt. Da bewerten zwei deutsche und zehn internationale Kollegen die Anträge ihrer Disziplin mit einem Notenschema von der Topnote fünf hinunter bis eins. „In der jetzt anstehenden Endausscheidung hat kein Antrag Aussicht, der schlechter als mit vier bewertet ist“, sagt Finetti. Am Freitag wird der Bewilligungsausschuss, in dem neben den wissenschaftlichen Gutachtern auch die Wissenschaftsminister der Länder und Bundesforschungsministerin Annette Schavan sitzen, viele „gelbe“ Fälle zu diskutieren haben – Anträge, deren Bewilligung auf der Kippe steht. Klaus Mezger bezeichnet das bisherige Auswahlverfahren als „extrem fair“ – und hofft, dass die Politik mit Proporzansprüchen auch diesmal keinen Einfluss nimmt.

Mezger war dabei, als die Universität Münster sich auf die mündliche Präsentation ihrer Anträge vorbereitet hat. Bei der DFG soll es dabei gut gelaufen sein – ob gut genug, das wird sich morgen entscheiden. Rektorin Ursula Nelles hat die Wissenschaftler aller drei Projekte zur Bekanntgabe am Freitagnachmittag ins Schlossgartenrestaurant eingeladen. Volker Gerke versucht, gelassen zu bleiben: „Auch wenn wir es nicht schaffen sollten – unser Cluster wird auf jeden Fall die Arbeit aufnehmen“.

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