Hochschule Münster
Endlich Zeit und Geld zum Denken

Samstag, 27.10.2007, 11:10 Uhr

Münster . Wenn internationale Spitzenwissenschaftler meinen, dass die Universität Münster für ambitionierte Geisteswissenschaftler sexy ist, dann tragen dafür auch zwei junge Leute Verantwortung. Theologe Prof. Dr. Hubert Wolf, einer der Hauptantragsteller für das im Elitewettbewerb der Hochschulen erfolgreichen Exzellenzcluster „Politik und Religion“ prägte jüngst den Ausdruck vom Sexappeal der WWU, über den Sita Steckel und Andreas Pietsch ein bisschen schmunzeln müssen.

Sie gehören zum hoffnungsvollen Nachwuchs, den Wolf meint. Deshalb wurden sie auch gebeten, den Antrag für das Exzellenzcluster vor der internationalen Gutachter-Kommission bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn mit zu präsentieren. „Ein aufregender Tag“, seufzen die beiden noch heute über den 20. Juni, als sie in einer kleinen Delegation hochrangiger Professoren samt Rektorat mit weichen Knien in einem Kleinbus gen Bonn schaukelten.

Dass die Antragsteller zwei junge Leute reden ließen, kam bei dem gestrengen Gremium, das den Antrag zu bewerten hatte, gut an. Das Lob kam prompt nach der Präsentation bei der Kaffeepause mit den Gutachtern – die, so Andreas Pietsch, aber auch „eine Fortsetzung der Prüfung mit anderen Mitteln“ war.

Er hat ebenso wie Sita Steckel eine Projektskizze im Exzellenzcluster geschrieben – und jetzt gute Aussichten diese Forschung auch betreiben zu können. „Wir haben hier die tolle Chance, selbstständig zu forschen und zu lehren – ohne Zuordnung zu einem bestimmten Professor, aber in einem dichten Netzwerk verwandter Disziplinen“, schwärmt Steckel, von München nach Münster wechselte.

Andreas Pietsch studierte in Tübingen und im niederländischen Leiden Geschichte und Theologie, bevor er nach Münster kam. „Ein riesiges Fächerspektrum, flache Hierarchien kollegiale Atmosphäre“, schildern die beiden ihre Erfahrungen. Sita Steckel erforscht kirchliche Großkontroversen im Hoch- und Spätmittelalter – als religiöse Auseinandersetzungen schon ähnlich erbittert geführt wurden wie heute. Wie wurden Konflikte aufgelöst, wie verschärft: „Wer das studiert, gewinnt Aufschlüsse über die Mechanismen heutiger religiöser Konflikte, die die Weltpolitik erschüttern.„ Andreas Pietsch erforscht Glaubenskämpfe nach der Reformation und weiß seither: „Die Welt wird nicht immer komplizierter, sie war schon immer so.“ Der Umgang mit religiösen Unterschieden in der Geschichte könne auch aus der heutigen Debatte um den Islam viel Hysterie nehmen, sagt Pietsch.

Die üppigen Geldmittel, die nun fließen, ermöglichen den Wissenshaftlern einen selten gewordenen Luxus: „Wir können uns jetzt Zeit nehmen, in Ruhe nachdenken“, blickt Sita Steckel nach vorn. Wenn alles gut geht, wird sie sich, ebenso wie Pietsch und bisher rund 15 weitere Nachwuchswissenschaftler durch die Arbeit im Exzellenzcluster habilitieren.

Die Anspannung am 20. Juni verflog übrigens schon bei der Heimfahrt nach Münster – obwohl ja noch nichts entschieden war. Professoren, Rektorat und die beiden Youngsters leerten im Bus eine vom Rektorat mitgebrachte Kiste Bier. In zunehmend heiterer Stimmung, die seit der Entscheidung noch besser geworden ist.

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