Nachrichten Münster
Fingerabdruck wird Pflicht

Mittwoch, 10.10.2007, 07:10 Uhr

Münster - Nein, wie im Krimi ist es nicht. „Frische Tinte muss sich keiner von den Fingern wischen“, bringt es Lothar Schlenker , Leiter des Bürgerbüros Mitte, schmunzelnd auf den Punkt. Beruhigend! Aber komisch, komisch sei es schon, findet der Münsteraner, der den neuen Scanner im Bürgerbüro gerade ausprobiert hat.

In 23 Tagen, offiziell ab dem 1. November, erwischt es (nahezu) alle, die einen Reisepass beantragen: Neben den biometrischen Daten des Gesichts (seit 2005) werden auch die Abdrücke beider Zeigefinger genommen. Ausnahme: Kinder unter zwölf Jahren brauchen in der Regel keinen elektronischen Reisepass, keinen „ePass“. Ausnahme von der Ausnahme: Kinder, die beispielsweise in die USA reisen, müssen im Alter zwischen einem Tag und sechs Jahren die biometrischen Daten des Gesichts abgeben; von Kindern über sechs Jahren werden auch die Fingerabdrücke genommen, erläutert Lothar Schlenker.

Wer aufmerksam durch das Bürgerbüro im Stadthaus I läuft, der sieht die kleinen Geräte auf den Schreibtischen der Mitarbeiter. Die Scanner sind ungefähr so groß wie der neue Rechtschreib-Duden. Rot leuchtet etwas in der Mitte. Genau auf diese Stelle legt derjenige, der einen Reisepass braucht, seinen Finger. Der Computer sagt, welchen er will, wann man den Finger heben, wann wieder senken soll. Drei Aufnahmen werden von jedem Zeigefinger gemacht. Schlenker: „Der Rechner sucht sich die beste aus.“ Die Daten gehen dann mit den anderen, die für den Pass benötigt werden, zur Bundesdruckerei – in vier bis sechs Wochen, in Stoßzeiten können es auch acht sein, ist der Pass abholbereit. „Die Daten werden dann gelöscht. Sie befinden sich dann nur noch auf dem Chip, und den hat nur der Passinhaber“, betont Schlenker.

Bei Passkontrollen etwa auf Flughäfen – so das mittelfristige Ziel der Bundesregierung und anderer Staaten – wird erneut ein aktueller Fingerabdruck genommen und mit dem auf dem Chip verglichen. So sollen die Einreise-Behörden eindeutig feststellen können, ob derjenige, der den Pass vorzeigt, auch der Inhaber desselben ist.

Lothar Schlenker rät allen, deren Pass abgelaufen ist, erst einen neuen zu beantragen, wenn eine Reise in ein Land mit Pass-Pflicht absehbar ist. „Dann bekommt der Antragsteller den Pass mit den neuesten Möglichkeiten und hat bei Kontrollen die geringsten Wartezeiten.“ Und wenn eine Reise in die strenge USA ganz plötzlich auf der Tagesordnung steht? „Dann gibt es den Express-Pass.“ Der koste zwar neben den üblichen Gebühren 32 Euro extra, liege aber innerhalb von 72 Stunden vor.

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