Nachrichten Münster
Gorbatschows Stellvertreter in Münster

Dienstag, 02.10.2007, 07:10 Uhr

Münster - „Sie hatte ein Herz für die Menschen, und vor allem für die Kinder“, sagt Prof. Dr. Thomas Büchner , „und sie hat die medizinische Forschung sehr gefördert.“ Er spricht von Raissa Gorbatschowa , der Frau des früheren russischen Präsidenten, die 1999 acht Wochen lang seine Patientin war. In der vergangenen Woche war Büchner in St. Petersburg, wo an ihrem achten Todestag ein nach ihr benanntes Leukämie- und Transplantationszentrum für Kinder eröffnet wurde. Büchner ist diesem Projekt seit dem Jahre 2001 verbunden. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Beirats. Und der Vorsitzende heißt Michail Gorbatschow.

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit russischen Kollegen hat mittlerweile Tradition. Sie begann 1989. Büchner war damals dabei, als erstmals ausländische Kollegen zu einem Meeting in der Sowjetunion eingeladen wurden – mittlerweile ist er etliche Male in wissenschaftlicher Mission in Russland gewesen.

Im Juli 1999 flog der international anerkannte Leukämie-Experte zusammen mit einem Freiburger Fachkollegen auf Bitten der Bundesregierung nach Moskau – ans Krankenbett der an akuter Leukämie erkrankten Raissa Gorbatschowa. Zwei Tage später begleitete Büchner sie im Privatflugzeug nach Münster – ins gerade erst eröffnete Knochenmarktransplantationszentrum. Auch Gorbatschow, so erinnert er sich, habe dem Transport nach Münster sofort zugestimmt.

„Wir haben alles getan“, sagt Prof. Büchner. Aber die Ärzte konnten die prominente Patientin nicht retten. Die Hoffnung war da, so Büchner, aber die Heilungschancen nehmen ab dem 60. Lebensjahr rapide ab. Raissa Gorbatschowa starb am 20. September 1999 in Münster.

Gorbatschow, so berichtet Büchner, sei während „der gesamten acht Wochen nicht von ihrer Seite gewichen“. Natürlich ergab sich dadurch zwangsläufig auch ein enger Kontakt zum behandelnden Arzt. Und daraus entstand, wie Büchner es formuliert, „eine freundschaftliche Verbundenheit, die mit der Zeit noch gewachsen ist“. Der Münsteraner korrespondiert noch immer regelmäßig mit Gorbatschow, den er als „genialen Politiker“ beschreibt – und als einen „Menschen, der sehr schnell Kontakt findet zu seinem Gegenüber“.

Natürlich war Gorbatschow in der vergangenen Woche in St. Petersburg, als dort das nach seiner Frau benannte und von ihm geförderte Leukämiezentrum eröffnet wurde. Er sei gerührt gewesen, heißt es in Medienberichten.

Büchner traf ihn schon am Vorabend, als Gorbatschow in kleiner Runde mit Experten diskutierte. Und er sprach ihn bei dem anschließenden Symposium an, das Büchner mit einem Vortrag über „Stand und Zukunft der Therapie der akuten myeloischen Leukämie“ eröffnete. Dabei habe er, so der Münsteraner, auch die besonderen Verdienste der Familie Gorbatschow gewürdigt. Raissa Gorbatschowa, so sagt Büchner, habe sich beispielsweise schon 1991 für ein Kinderleukämiezentrum in Moskau eingesetzt, in das sie eigene Honorare investiert habe – und ihr Ehemann Teile seines Friedensnobelpreises.

Prof. Thomas Büchner ist seit einigen Jahren emeritiert, aber weiterhin in der Leukämie-Forschung aktiv. So leitet er unter anderem eine Leukämiestudie, an der mehr als 50 Kliniken teilnehmen. Und er ist beteiligt am Aufbau eines europäischen Leukämie-Netzwerkes. Dessen Schirmherr: Michail Gorbatschow.

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