Hochschule Münster
Von der Alma Mater zum Bildungskonzern

Freitag, 30.11.2007, 19:11 Uhr

Münster . Der Innovationsminister, Verantworter wesentlicher Veränderungen an den nordrhein-westfälischen Hochschulen, hatte abgesagt. So gab es gestern Nachmittag beim Tag der evangelischen Hochschularbeit in Westfalen im Humboldt-Haus der Universität niemanden, der der vielfach vorgetragenen Kritik widersprach. Über der auch ohne Prof. Andreas Pinkwart hochkarätig besetzten Veranstaltung stand das Motto „Von der Alma Mater zum Bildungskonzern“.

Eine Entwicklung, die niemand bestritt. Die Evangelische Landeskirche hatte mit der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Margret Wintermantel, und dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Matthias Kleiner , zwei Top-Vertreter der Wissenschafts- und Hochschulszene aufgeboten und als Moderator der Podiumsdiskussion über die gegenwärtige Hochschulreform noch den Präsidenten der Humboldt-Universität Berlin, Prof. Dr. Christoph Markschies, gewonnen.

Der evangelischen Kirche in Westfalen ging es in der Debatte auch darum, ihre Rolle in der Entwicklung zu definieren und eine Debatte über Seelsorge und ethische Streitfragen anzustoßen, wie Präses Buß eingangs erklärte.

Bei aller Kritik, die in der Wandlung der Alma Mater zum Bildungskonzern mitschwingt: Margret Wintermantel und Matthias Kleiner sehen in den tief greifenden Veränderungen auch Positives. Die Umstellung des Studiensystem zu Bachelor und Master führe zwar wegen der chronischen Unterfinanzierung der Hochschulen zu großen Problemen, sei aber unter anderen Rahmenbedingungen, sprich: einer besser ausgestatteten Lehre, eine durchaus sinnvolle Reform. Und die Exzellenzinitiative, die, wie nie zuvor, das Wettbewerbsprinzip in der Forschung forciert hatte, habe nicht nur Geld an die Universitäten gespült, sondern auch dafür gesorgt, dass Gleichstellung von den Hochschulen endlich ernsthaft beachtet werde: „Weil die internationalen Gutachter das vorausgesetzt haben“, so Kleiner.

Für Christian Wolff, Vorsitzender des Fachschaftsrats Evangelische Theologie der Uni Münster, steht fest: Für ihn war die Einführung von Studienbeiträgen die tief greifendste Veränderung der vergangenen Jahre. Er hofft, dass es der Zeitdruck, unter dem jetzt studiert werden müsse, noch zulasse, „dass wir beim Studieren noch über den Tellerrand gucken“.

„Muße“ vermisst auch Prof. Christian Grethlein, Dekan des Fachbereichs Evangelische Theologie: Denn ohne Muße gibt es keine Kreativität.

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