Kultur Münster
Witta Pohl liest Delikatessen aus dem Theater

Montag, 19.11.2007, 12:11 Uhr

Münster . Mit Tieren zusammen auf der Bühne? Das freut das Publikum, ist aber für jeden Theatermann volles Risiko, denn: Wie verhalten sich die Viecher in der Aufführung? Mit den animalischen Schauspielkollegen begann am Freitagabend die Lesung im Theatertreff, vorgetragen von der bekannten TV-Schauspielerin Witta Pohl . Sie las aus Peter Jahreis’ Erinnerungsbuch „Meine Jahre in Münster – vier Jahrzehnte erlebte Theatergeschichte(n)“.

Bereits der Begriff „Hundecasting“ erheiterte die Zuhörer, war es doch zu schön, sich das Ballett neurotischer Kläffer und genervter Theaterleute vorzustellen. Genau so begann eine Inszenierung von Lehàrs „Paganini“. Das Dauergebell zweier Terrier übertönte den ersten Dialog. Bei der kurzen Theaterkarriere der Stute „Wilma“ hatte Jahreis „Spaß im Gesicht“: Bei ihrem Einsatz im „Weißen Rössl“ zelebrierte sie ihre Verdauung als öffentliches Ereignis. Und das ausgerechnet bei beim Gesang „Leise schwebt das Glück hernieder“ . . .

Verheißungsvoll waren Delikatessen angekündigt, die nicht im Buch erzählt sind. Beim langen Schlussdialog von „König Lear“ etwa passierte einst dieses Malheur: Die feuchte Aussprache eines Kollegen schleuderte Schleimiges in Richtung Jahreis’ Augenbraue. Alle Versuche, sich dessen diskret zu entledigen, waren vergeblich, es pappte fest. Jahreis lenkte seine Erinnerungen auch in Richtung einer besonderen Währung seiner Branche: den Applaus. Der Weg dorthin ist manchmal kurios. An einer unspektakulären Stelle toste plötzlich Beifall durch den Saal, den sich die Akteure auf der Bühne nicht gutschreiben konnten: Für sie unsichtbar stellte ein Angestellter einen Eimer an den Orchestergraben – es drohte hereinzuregnen.

Und die Stille nach dem Schluss? Kaum jemand denkt wohl an den Kontrast zwischen Premierenfeiertrubel und der Einsamkeit des Weges in ein trostloses Hotelzimmer.

Auch Witta Pohl hatte offenbar noch einen mühsamen Heimweg vor sich: Nach einer knappen Stunde brach sie plötzlich auf – ziemlich unvermittelt für das Publikum.

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