Nachrichten Münster
Militärmusikschau: Ende einer Tradition

Freitag, 30.11.2007, 19:11 Uhr

Münster - Bei der ersten Britischen Militärmusikschau trat er als ganz normaler Musiker auf, nun, 36 Jahre später, ist er als Leiter nach Münster zurückgekehrt. „Ich bin voller Emotionen“, bekennt Major Douglas Robertson, „und dabei ist heute erst die Generalprobe .“ Am Sonntag, wenn die Instrumente verstummen werden, „fließen Tränen, da bin ich ganz sicher“.

Die Bands können noch so schnell marschieren, ihre Songs noch so fetzig sein – der Abschiedsschmerz ist am Freitagabend überall in der Halle Münsterland zum Greifen nah. Als Moderator Hans-Joachim Tebbe , erwähnt, dass er die Show 17 Jahre lang moderiert hat, geht ein Stöhnen durch die voll besetzte Halle. 2000 verfolgen allein die Generalprobe der 35. Britischen Militärmusikschau, weitere 7000 werden die drei Aufführungen an diesem Wochenende sehen. Ausverkauft, was für ein Erfolg.

Und dennoch: Der Abschied ist endgültig. „Die Entscheidung fiel uns schwer“, räumt Generalmajor Mungo Melvin, Oberbefehlshaber der britischen Armee in Deutschland, ein. „Aber wenn die vierte Brigade im Sommer 2008 nach Großbritannien zurückgeht, wird in Münster und Osnabrück einfach das Personal fehlen, um eine solche Show zu unterstützen.“

Keine Chance, dass die Entscheidung nochmal überdacht wird? „Nein“, sagt Melvin, „das ist leider das letzte Mal.“ Aber vielleicht gebe es ja 2014, wenn die letzten Briten aus Münster abziehen werden, noch einmal eine Gelegenheit . . . Immerhin: „Die Schau in Münster war immer auf dem Niveau der Edinburgh Tattoo.“ Sie gilt als die beste Militärmusikschau der Welt.

Das dürfte all die, die Jahre, ja, Jahrzehnte die Show begleitet haben, nur wenig trösten. Polizeihauptkommissar Andreas Schmidt zum Beispiel, er war 22 Jahre für die Sicherheit mitverantwortlich. „Ein wunderbarer Einsatz, und die Zusammenarbeit mit den Briten war immer toll.“

Auch Heinrich Lanfer will die letzten 14 Jahre nicht missen; so lange hatte der Malteser-Auslandsreferent die Show mit vorbereitet. „Ein schöner Einsatz, vor allem am Freitagabend, wenn hier die Alten und Behinderten und die Freunde von den Maltesern zu Gast waren.“ Außerdem mochte er immer die Musik. „Ich will unbedingt mal zur Edinburgh Tattoo“, sagt Lanfer. Schmidt auch, vielleicht fahren sie ja mal zusammen nach Schottland.

„Wir sind alle sehr traurig“, versichert auch der britische Moderator Richard Astbury, der TV-Star ist extra aus London eingeflogen worden. Dem kann Rudolph Erbprinz von Croy, der Malteser-Diözesanleiter, nur zustimmen. 300 000 Euro spendeten die Briten der Organisation in den vergangenen Jahren, „die zweitgrößte Einzelspende nach dem Bistum“. Damit ist es nun vorbei. „Das Ende einer Tradition“, sagt der Erbprinz, doch damit mag er sich nicht so recht abfinden: „Vielleicht gelingt es uns ja an diesem Wochenende doch noch, die Briten umzustimmen . . .“

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