Nachrichten Münster
Mit Leica und Leidenschaft

Mittwoch, 02.01.2008, 10:01 Uhr

Münster - Viele Münsteraner kennen Dr. Walter Fricke noch als scharfzüngigen SPD-Fraktionsvorsitzenden, der die ganze rhetorische Klaviatur vom ironischen Zwischenruf bis zur polemischen Attacke beherrschte. Von 1975 bis 1985 gehörte er dem Rat der Stadt an, später war er Bezirksplaner in Köln, Oberkreisdirektor in Aachen und Geschäftsführer eines regionalen Energieversorgungsunternehmens in Stolberg. Was aber kaum jemand weiß: Fricke, der seit dem 1. März wieder in Münster wohnt, war und ist auch ein ambitionierter Hobby-Fotograf.

Wie er auf dieses Hobby gekommen ist? Er weiß es nicht mehr, sagt Fricke: „Einfach so.“ Er habe sich immer für Bilder interessiert – auch für die Malerei. „Wenn ich hätte malen können, hätte ich das sicher gemacht. So reichte es wohl nur für die Fotografie.“

Aber die betrieb er seit Mitte der 60er Jahre mit Leica und Leidenschaft. Natürlich habe er eine eigene Dunkelkammer gehabt und die Filme selbst entwickelt, betont er. Und irgendwann schloss er sich auch der Fotogruppe „Oculus“ an.

Eine gewisse Bewunderung für den Polit-Fotografen Darchinger und natürlich die eigenen Interessen veranlassten Walter Fricke, sich vor allem dem Genre des politischen Featurefotos zu widmen. Mit der Kamera in der Hand klapperte er Parteitage, Infostände und Wahlkampfveranstaltungen ab – und wurde zwischendurch sogar mal bei der CDU-Frauenunion gesichtet.

„Am Anfang bin ich mit großen Hemmungen losgezogen“, erinnert sich Fricke. Aber das änderte sich bald. Während Kiesinger noch mit dem 200er Tele aufs Korn genommen wurde, war er später bei Brandt und Barzel „mit dem Super-Weitwinkel auf einen Meter dran“. Zumindest in den Anfangsjahren war das noch relativ einfach. „Wenn Sie eine Leica hatten, galten Sie schon als Berufsfotograf“, sagt Fricke schmunzelnd. Und: „Kein Bodyguard, nichts hielt einen damals auf.“

Den größten Erfolg verbuchte Fricke freilich mit dem Teleobjektiv. Ein Kiesinger-Foto, das auf einer Fotoschau ausgestellt wurde, wurde von der Agentur Keystone angekauft: „Ich habe die noch von 40 auf 50 Mark hochgehandelt“, erinnert er sich. So konnte es geschehen, dass ein Fricke-Foto einige Zeit später sogar im „Spiegel“ zu sehen war . . .

Als Fricke in den 70er Jahren in die Kommunalpolitik einstieg, musste das Hobby notgedrungen zurückstehen. Erst 1999, so sagt er, sei er wieder richtig eingestiegen: „Da habe ich mir eine neue Leica gekauft.“ Ob er demnächst im münsterischen Wahlkampf wieder auf Pirsch geht? Fricke lächelt: „Aber nicht in Münster.“

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