Nachrichten Münster
Nicht jeder kann alleine reisen

Montag, 14.01.2008, 00:01 Uhr

Münster . Wenn Horst Giebelhausen verreisen will, dann geht er nicht einfach ins Reisebüro . Seit einem Schlaganfall sitzt der Regierungsdirektor a. D. im Rollstuhl. „Eine wichtige Frage ist für mich zum Beispiel die Beschaffenheit des Bodens“, erzählt er. Auch ein Handgriff im Bad muss zwingend vorhanden sein, außerdem braucht Giebelhausen einen Menschen, der ihm bei der Körperpflege hilft. Weil er das alles nicht alleine organisieren kann, gibt es viele Vereine in Münster, die Menschen mit Behinderung, Rentnern oder Pflegebedürftigen in den Urlaub begleiten – und diese Organisationen stellten sich zum vierten Mal auf der Reisebörse im Gesundheitshaus vor.

„Die größte Anzahl der Reisen geht eindeutig nach Deutschland“, erzählte Ursula Sandmann vom Infobüro Pflege des Sozialamtes. Vor allem Kurorte und Küstenaufenthalte erfreuten sich großer Beliebtheit, aber auch Reisen nach Mallorca oder sogar Dubai seien möglich: „Nepal dagegen wird natürlich schon wegen der Berge und der dünnen Luft schwierig.“ Das Angebot reiche von Seniorenreisen in der Gruppe – „Da muss ich mich nur um meinen Platz am Tisch und das Packen der Koffer kümmern“ – über Ziele, die Rollstuhl-gerecht sind, bis hin zu Ferienhäusern, in denen Menschen untergebracht werden können, die täglich Hilfe benötigen. Die wird häufig von Ehrenamtlichen geboten, was die Reise wegen der Zusatzkosten aber auch teurer macht.

„In bestimmten Fällen kommt die Pflegekasse für den Betrag auf, der über die Kosten einer normalen Reise hinausgeht“, erklärte Sandmann. Hier gilt es, sich vor dem Urlaub schlau zu machen. Hilfe bietet zum Beispiel der Verein „Zugvogel“, der behindertengerechte Hotels kennt und auch ganz gezielt recherchiert. „Es ist einfacher, und ich weiß, dass ich gut beraten werde“, sagte Mitarbeitern Melanie Buck, die selber im Rollstuhl sitzt.

Inzwischen gebe es eine Menge Angebote an Reisen: „Ich denke deswegen heute nicht mehr so wie früher. Aber über Verkehrsmittel und Hotels muss man sich ganz genau informieren.“

Der Verein „Urlaub und Pflege“ bietet Reisen an, bei denen jeder Urlauber von einer Person betreut wird. „Vorher machen wir einen Hausbesuch“, berichtet Mitarbeiter Friedrich Ariaans. Das größte Problem, mit dem sein Verein zu kämpfen habe, sei anfangs fehlendes Vertrauen. „Wenn die Menschen dann einmal mitgefahren sind, kommen sie aber gerne wieder.“ Als Schwierigkeit für die großen Verbände bezeichnete Infobüro-Mitarbeitern Sandmann auch, „dass der feste Stamm hinauswächst im negativen Sinne“. Denn mit den Jahren nehme auch die Hilfsbedürftigkeit zu. Deswegen sei es wichtig, sich auch dann weiter über Alternativen zu informieren, wenn man eine „dritte Familie“ in der Reisegruppe gefunden habe.

Tipps gibt das städtische Infobüro unter 492 50 50.

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