Kultur Münster
„Alles für den Keks?“

Sonntag, 17.02.2008, 17:02 Uhr

Münster . Lange leere Gänge, in denen die Geräusche widerhallen, steile Treppen und viele hektische Schritte von vielen unterschiedlichen Schuhen prägen den Film „Der erste Schritt“. „Jeder hat schließlich mal den ersten Schritt gemacht“, informiert Felix Harjans vom Filmteam, „deshalb so viele verschiedene Schuhe“.

Schnell versteht der Zuschauer die Gefühle von Stress und Aussichtslosigkeit, von denen arbeitslose Jugendliche in der Dokumentation berichten. Sieben Azubis zu Gestaltungstechnischen Assistenten für Medien und Kommunikation präsentierten am Freitagabend im Kleinen Haus ihren Film über Jugendarbeitslosigkeit, den sie unter der Projektleitung von Marina Sahnwaldt und ihrem Label „theaterformen“ drehten.

Die besondere Herausforderung, so berichtet Filmemacherin Manuela Bögel, sei die Eigenständigkeit gewesen, mit der sie diesen Film erarbeitet hätten. Von der Recherche über die Organisation, den Dreh und das Schneiden hätten sie alles selbst gemacht.

Heraus kamen viele originelle Elemente: Überschriften, die die Schwerpunkte im Film strukturierten, stellten sie aus Buchstabenkeksen dar. „Die Kekse sind vergänglich. Ebenso wie Ausbildung und Abitur“, erzählt Anna Kreuzeberg, die in der Dokumentation auch schauspielt. Um zu visualisieren, dass nicht mal das Abitur bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz weiter hilft, isst Anna die Keksbuchstaben „Abi“ einfach auf. „Im Endeffekt war also ihr guter Abschluss und die ganze Anstrengung zuvor alles für den Keks“, fasst ihr Mitschüler Felix Harjans treffend zusammen.

Originell war auch die Schlussszene, in der Anna endlich eine Stelle gefunden hat. Der neue Chef reißt sie buchstäblich am Kragen in sein Büro. Im blauen Kostüm wird sie wieder auf den langen Flur zurück geschoben. Doch bevor sie weiß, was mit ihr geschieht, öffnet sich wieder die Bürotür, und der Chef drückt ihr einen riesigen Stapel Akten in den Arm. Anna kann kaum noch den Gang sehen, den sie damit zurücklegen soll. Diese Szene wirkt besonders durch die schnellen Schnitte, mit denen die Crew hier die einzelnen Szenenbilder aneinanderreihte.

Am aufwändigsten aber war wohl die Idee, Statistiken nicht einfach als Diagramme darzustellen, sondern auf das Dach des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums zu klettern und von dort Schüler zu filmen, die sich in entsprechende Gruppen aufteilen. Das Team habe die Szenen deshalb mit Schülern gedreht, weil sie die Arbeitslosen von morgen seien, begründet Harjans und erklärt: „Man muss es auf die Spitze treiben, sonst geht es nicht in die Köpfe.“

Der Film ist als DVD erhältlich und zu bestellen unter „www.sahnwald@theaterformen.com“.

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