Kultur Münster
„Die Erlebnisse sind bitter“

Donnerstag, 14.02.2008, 19:02 Uhr

Münster . Auf dem ersten Bild hat Anna einen gelben Schutzhelm auf, wie man ihn auf Baustellen trägt. Auf dem nächsten einen beigen, wie man ihn von Feuerwehrleuten kennt. Und auf dem dritten schmückt eine Krone ihr Haupt.

Diese ulkige Bilderreihe zeigt: Die Vielzahl der Ausbildungsberufe für Jugendliche ist groß. Die Zahl der Hindernisse, die bis zum Ausbildungsvertrag zu überwinden sind, allerdings auch. Davon kündet der Film „Der erste Schritt“, den Anna Kreuzeberg (18) und ihre Mitstreiter, allesamt Schüler des Adolph-Kolping-Berufskollegs, Studienfach „Gestaltungstechnische Assistenten“ (GTA), im vergangenen Jahr gemeinsam entwickelt und realisiert haben. Am Freitag (15. Februar) wird die 40-minütige Dokumentation im Kleinen Haus gezeigt – kombiniert mit einer Podiumsdiskussion zum selben Thema wie der Film: Jugendarbeitslosigkeit.

Die jungen Filmemacher – neben Kreuzeberg sind es Manuela Bögel , Felix Harjans, Anastasia Muzik, Jan Tornau, José Belting und Stefanie Bauer – hatten Glück. Bei der Suche nach einem Praktikumsplatz lief ihnen 2007 Regisseurin Marina Sahnwaldt aus Münster über den Weg. Für ihr Label „theaterformen“ war sie auf der Suche nach einer Projektidee – Arbeitstitel „Jugendarbeitslosigkeit“. Schnell entstand die Idee, einen Film darüber zu drehen. Mit den Städtischen Bühnen wurde ein wichtiger Kooperationspartner gefunden, der die Trägerschaft für das Projekt übernahm und ein Büro zur Verfügung stellte. In der Filmwerkstatt Münster fand man einen weiteren kompetenten Partner.

Der Film, der inzwischen als DVD auch für den Schulgebrauch vorliegt, beleuchtet das Thema „Jugendarbeitslosigkeit“ aus Sicht der Betroffenen. Fünf Lehrstellensuchende haben die Jugendlichen porträtiert. Einen Jungen etwa, der 200 Bewerbungen geschrieben hat, ebenso viele Absagen bekam und dabei schon mal nachlässig als „Frau Soundso“ angeschrieben wurde „Die Erlebnisse sind bitter“, sagt Sahnwaldt.

Den Porträts stehen offizielle Statements gegenüber, etwa von Angehörigen der Bezirksregierung oder der Agentur für Arbeit, die den Erfahrungen der Jugendlichen oft diametral entgegenstehen. Und es gibt „kleine Spielereien“ auf Anregung der Regisseurin: Um etwa dröge Diagramme zu vermeiden, mussten 126 Kinder des Stein-Gymnasiums auf dem Schulhof in einer Luftaufnahme „prozentual auseinanderstreben“, schildert Sahnwaldt. Sie sah ihre Aufgabe vor allem darin, die Jugendlichen zu lenken. Initiativ werden mussten sie freilich selber. So mussten die sieben eine Rede vor den Synodalen in Münster halten oder einen Termin beim Bürgermeister arrangieren. „Das war kein ganz normales Praktikum“, sagt Sahnwaldt.

Umso erfreulicher, wie die Jugendlichen die Aufgaben unter sich aufteilten. Anastasia Muzik etwa wurde zur Frau für Budgetfragen, während sich Manuela Bögel zutraute, Reden vor Publikum zu halten. „Verantwortung zu übernehmen, das hat bei manchen einen Energieschub bewirkt“, sagt Sahnwaldt. Sie hat den Jugendlichen inzwischen ein Zertifikat ausgestellt – als Nachweis über die erworbenen „Schlüsselkompetenzen durch kulturelle Bildung“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Das bringt vielleicht Pluspunkte, wenn’s um die Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz geht. . . Die Veranstaltung beginnt am Freitag um 19.30 Uhr (Einlass: 19 Uhr) im Kleinen Haus. Der Eintritt ist frei.

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