Kultur Münster
Kitty Hoff: Lächelnder Blick in die Ferne

Montag, 10.03.2008, 16:03 Uhr

Münster . Sanft umschmeichelt die Sängerin die Sinne der Zuhörer; großäugig ersehnt sie die Ferne : „Sommer auf dem Land – kilometerweit von Großstadtstrand, weiter Blick aus meinem Feld, ist eigentlich alles, was zählt.“ Alles selbst getextet und komponiert das beeindruckte das Publikum am Sonntagabend in der ausverkauften Kulturschiene Chansonsängerin Kitty Hoff , Trägerin des renommierten Lale-Andersen-Preises, signalisierte den Charme der 20er-Jahre.

Ihre Bubikopf-Frisur streichelt die Ohrläppchen; das Kleid ( mehr ein Sommerfähnchen) zeigt Vorfreude auf schönwetterliche Zeiten. Die gebürtige Münsteranerin hatte das Publikum gut im Griff: „Was ist das?“, fragte sie in den Saal und präsentierte eine goldbestäubte Rose, aus der das Leben längst entwichen ist. Angestrengtes Schweigen. „Münster, jetzt los!“ lockt sie die Westfalen aus der Reserve. „Zitterblume“ tönt ein Wortkünstler. „Find ich sehr hübsch und ist auch nahe dran – es ist die nervöse Blume!“, womit sie bereits das folgende Stück ankündigt.

Kitty Hoffs intensiver Vortrag mit Elementen von Rumba bis Calypso und Bossa-Nova korrespondiert perfekt mit ihren Texten. Diese leben vom Ungefähren, dem Nicht-Bestimmten, dem Erahnbaren: „Verschieb Dein Leben nicht auf morgen, der Fehler liegt meist im Dunkeln.“ Das bietet Stoff für tiefschürfende chanson-philosophische Betrachtungen. „Reden, warten, hoffen, zögern, sehen – ohne zu gehen, kannst du nirgendwo sein“, so beschreibt sie ihr Tasten nach den Lebensvarianten.

Unterstützt wird sie dabei von ihrer hervorragenden Band, deren Motivation und Freude am Zusammenspiel ins Publikum sprüht. Der Kontrabassist mit dem Tarnnamen Jaques Maintenant tanzt mit dem Instrument, das ansonsten nicht gerade für Dynamik steht. Seine Henry-Kissinger-Brille rutscht bedrohlich Richtung Nasenspitze.

„Entweder haben Sie schon die CD oder keine Psychosen!“ – schon wieder etwas für rotweinschwere Diskussionsrunden im Kreuzviertel. Ironie, Sehnsucht und Sachlichkeit sind Zutaten von Kitty Hoffs Denkanstößen. Säge, Mini-Ziehharmonika und Tastenflöte liefern überraschende Klangzusätze. Außerdem hatte die ehemalige Germanistik- und Musikstudentin der hiesigen Universität glänzend bewiesen, wie gut sich die deutsche Sprache für Chansonjazz eignet. Hoffs zwölfjährige Bühnenerfahrung bürgt für Qualität und lässt auf weitere Erweiterungen ihres Repertoires hoffen.

Auch hier galt der Grundsatz: Der Applaus ist des Künstlers Währung, und damit war das Publikum an diesem Abend großzügig. Und wer Kitty Hoff einmal außerhalb der Bühne treffen mag, hatte hoffentlich gut zugehört: Nicht im rosa Overall in der Skilift-Schlange, sondern am wintereisigen Ostseestrand sind die Chancen gut: „Vormittag am Wintermeer – alles so lang her . . ..“

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