Nachrichten Münster
Spenden schieben Hilfe an

Freitag, 21.03.2008, 16:03 Uhr

Münster - Darauf kann die „Aktion Kinderhilfe Münster e.V.“ richtig stolz sein. Rund fünf Millionen Euro hat der Verein seit seiner Gründung vor 40 Jahren vermittelt. Die Ehrenamtlichen haben gut zu tun, um die Kinderhilfe Münster e.V. flottzuhalten. Die Mitarbeiter sitzen oft in ihrer Freizeit in ihrem kleinen Büro am Rumphorstweg, um die viele Arbeit zu erledigen.

WN-Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit der Vorsitzenden Barbara Hümer (72), ihrem Stellvertreter Heinrich Fischer (70) und Pressesprecherin Petra Bröcker (53) über Projekte, über den runden Geburtstag, über die Mitgliederstruktur und über das Spendensiegel, das dem Verein seit 1994 zuerkannt wird.

Wer hat die Aktion Kinderhilfe in Münster gegründet?

Hümer: Vorweg gesagt legen wir großen Wert darauf, dass unser Vereinsname offiziell Aktion Kinderhilfe Münster e.V. lautet, damit wir nicht mit anderen Gruppen verwechselt werden, die manchmal nicht seriös arbeiten.

Der Gründer?

Hümer: Heinrich-Karl Brambrink gründete 1968 den Verein mit 18 Mitgliedern, die sich zum Verein „Terre-des-Hommes-Aktion Friedensdorf Münster e.V.“ zusammengeschlossen haben.

Fischer: 1976 entstand dann der heutige Name Aktion Kinderhilfe Münster e.V..

In welchen Ländern helfen Sie heute?

Hümer: Im vergangenen Jahr haben wir 13 Maßnahmen in Mauretanien, Mali, Burundi, Sambia, Indien, Sri Lanka, Bolivien, Brasilien und Afghanistan unterstützt. Insgesamt haben wir dafür 155 538 Euro ausgegeben.

Wie bekommen Sie Ihr Geld zusammen?

Böcker: Durch Spenden und fördernde Mitglieder. Wir haben keine festen Beiträge, jedes Mitglied bestimmt seinen Beitrag selbst, für uns zählt jeder Euro. Zweimal pro Jahr verschicken wir an unsere Mitglieder Rundbriefe und informieren über unsere Aktionen.

Fischer: In diesem Jahr gibt es im Mai einen Extra-Brief, in dem sich alle aktiven Mitarbeiter der Aktion Kinderhilfe Münster e.V. vorstellen.

Hümer: Der Verein zählt rund 600 Förderer.

Die aktuelle Zahl Ihrer Mitglieder?

Bröcker: Heute sind wir um die 270 Mitglieder, allerdings haben wir das Problem, dass viele schon älter sind. Für uns ist es schwierig, jüngere Mitglieder für den Verein zu werben, die sich aktiv beteiligen. Das wird künftig auch eine unserer Aufgaben sein.

Hümer: Viele jüngere Menschen sagen, ja wir geben euch gerne etwas, aber wir wollen uns nicht verpflichten. Pro Jahr kommen vielleicht zwei oder drei neue Mitglieder zu uns, die auch meistens noch aus dem persönlichen Freundeskreis eines aktiven Mitgliedes kommen.

Wie hat sich die Arbeit der Aktion Kinderhilfe im Laufe der 40 Jahre verändert?

Hümer: Am Anfang setzte sich unser Verein für Kinder ein, die Hilfe aufgrund des Biafra- und des Vietnamkrieges benötigten. Heute hat sich diese Hilfe auf die Arbeit im Heimatland der Kinder verlagert, indem wir zum Beispiel Schulbauten, Schulbücher und Schulkleidung finanzieren, um so Bildung und Ausbildung zu ermöglichen und zu fördern.

Fischer: Es geht darum, das Bewusstsein vor Ort zu verändern. Wir möchten das Know-how der einheimischen Helfer vor Ort finanziell stützen, damit sie irgendwann ohne unser Geld klarkommen.

Bröcker: Damit hat der Verein auch seinen Schwerpunkt verändert. Aus Mitleid wurde Solidarität. Eigentlich möchten wir als Verein keine 50 Jahre mehr alt werden, denn unser Ziel ist es, Maßnahmen vor Ort von Spenden unabhängig zu machen. Wir wissen aber auch, dass das wegen der ungerechten Welthandelsstrukturen eine Utopie ist.

Wie sieht Ihre Hilfe zur Selbsthilfe konkret aus?

Hümer: Ein gutes Beispiel ist unser Kontakt zu einem indischen Pater. Über ein Vereinsmitglied kamen wir mit ihm ins Gespräch. Dieser Pater hatte die Idee, vor Ort eine Gummibaumplantage anzupflanzen. Wir haben geholfen, das Grundstück dafür zu erwerben, dann haben wir den Kauf der Pflanzen unterstützt und heute tragen die ersten Pflanzen bereits „Früchte“, das heißt Bildung für Kinder wird mit den erwirtschafteten Einnahmen finanziert.

Bröcker: Damit sind die Menschen vor Ort unabhängiger geworden.

Fischer: Ich habe auch ein Beispiel aus Afrika. Dort haben wir Menschen geholfen, damit sie sich Schweine kaufen können. Inzwischen kümmert sich eine uns vertraute Person vor Ort darum, dass die Tiere nicht sofort wieder wie sonst üblich geschlachtet, sondern für eine Schweinezucht eingesetzt werden. Das erwirtschaftete Geld ermöglicht, die Kinder in die Schule zu schicken.

Wo geben Sie jedes Jahr das meiste Geld aus?

Hümer: Rund 21 000 Euro fließen in eine Armensiedlung in Rio de Janeiro in Brasilien. Die 500 Schulkinder, die dort zur Schule gehen, und die 100 Kinder der Kindertagesstätte werden täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgt und bei den Hausaufgaben betreut.

Das Geheimnis Ihrer erfolgreichen Arbeit?

Fischer: Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Menschen vor Ort spielt eine große Rolle. Wir haben persönliche Kontakte zu verschiedenen Orden und Entwicklungshelfern.

Hümer: Wir wissen, wo das Geld hinfließt. Viele Projekte haben wir uns persönlich angesehen und uns vom richtigen Einsatz der Spendengelder überzeugt. Diese Reisen bezahlen wir übrigens aus eigener Tasche.

Bemerken Sie, dass die Spenden aufgrund der Unicef-Krise zurückgehen?

Hümer: Nein, das können wir nicht feststellen. Wir sind ein kleiner Verein, der regelmäßig durch das Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) das Spendensiegel bekommt.

Wie feiern Sie Ihren runden Geburtstag?

Bröcker: Am 30. Mai veranstalten wir im Schlossgarten ein Konzert mit der bolivianischen Musikgruppe „Canto Sur“. Einen Tag später laden wir in das Pfarrzentrum von Heilig Kreuz zu einem Tag der Begegnung mit einigen „Vor-Ort-Helfern“ ein. Brigitte Pleyer beispielsweise berichtet von den Straßenkindern in Sucre in Bolivien.

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