Nachrichten Münster
Der Skipper vom „Landois“

Sonntag, 06.04.2008, 09:04 Uhr

Münster - Mit zehn Jahren stand Pascal Posorski fasziniert am Aasee und wünschte sich eine Fahrt mit dem Wasserbus „Professor Landois“. Damals schipperte Heinz Overschmidt mit Gästen quer über den Aasee zum Zoo. Heute ist Sohn Peter Overschmidt der Eigner des Wasserbusses. Am Ruder steht seit dieser Saison aber der 36-jährige Pascal Posorski.

Unsere Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit dem Skipper vom „Landois“ über das Schiff und über seinen neuen Job auf dem Aasee. Ein Stückchen Kindheitstraum gehe damit für den gelernten Kaufmann, der zuletzt in der EDV-Branche tätig war, in Erfüllung, sagt er.

Seit dem 15. Februar ist der 36-Jährige, der nach einem schweren Verkehrsunfall sechs Jahre im Rollstuhl gesessen hat, bei Peter Overschmidt beschäftigt. Der 59-jährige Chef der Segelschule hat den Wasserbus nach dem Tod von Kapitän Jochen Kauer gekauft.

Ist für Sie mit der neuen Arbeit auf dem Aasee ein Traum in Erfüllung gegangen?

Posorski: Aber bestimmt. Irgendwie hat es mich immer zum Aasee gezogen. Wir wohnten damals in Gievenbeck. Auf meinem Weg zur Friedensschule kam ich jeden Tag am Aasee vorbei. Das Wasser, der Zoo und die Segelschule haben mich von Anfang an fasziniert. Erst freundete ich mich mit Mitarbeitern im Naturkundemuseum an. Jahrelang habe ich mit dem Hausmeister dort Tischtennis gespielt, dann durfte ich sogar bei Vorführungen im Planetarium helfen. Der Zoo war mein Revier. Später half ich beim Tretbootverleih von Overschmidt mit, absolvierte meine Segelscheine und arbeitete bei den Segelkursen für Kinder mit.

Wann haben Sie das erste Mal das Ruder von Professor Landois in der Hand gehalten?

Posorski: Damals war ich vielleicht zwölf Jahre alt. Käpt’n Chaos – so nannten wir Gernot Wolters, der das Schiff von Heinz Overschmidt übernommen hatte – konnte sehr gut fahren und kannte jede Schraube mit Stammbuch. Aber beim Anlegen hatte er eine Schwäche, darum hieß er bei uns Käpt’n Chaos. Nur mit Mühe schaffte er seine Manöver. Käpt’n Chaos ließ mich mitten auf dem See fahren, er stand aber daneben, um notfalls eingreifen zu können.

War es da mit Ihnen geschehen?

Posorski: Seitdem hat mich Professor Landois nicht mehr losgelassen. Mit Jochen Kauer hatte ich mich angefreundet. Er war mein väterlicher Freund, gab mir viele Tipps und zeigte mir, wie Prof. Landois bei Hochwasser, bei Niedrigwasser und bei Wind zu fahren ist.

Eigentlich sieht die Arbeit am Ruder ganz leicht aus?

Posorski: Das sieht aber nur so aus. Zunächst reicht ein normaler Sportbootführerschein nicht aus, man braucht verschiedene Befähigungen, bis hin zum Segelschein. Dann muss man wissen, dass das Schiff behäbig reagiert. Landois ist träge wie ein Floß und windempfindlich. Sobald sich Segler und Tretboote auf dem Aasee tummeln, muss ich als Skipper schnell reagieren können. Besonders gefährlich für das Schiff ist der Engpass im Zookanal, der aber das schönste Stück der Fahrstrecke ist.

Wie schnell dürfen Sie auf dem Aasee überhaupt fahren?

Posorski: Mit sechs Stundenkilometern sind wir auf dem See unterwegs. 25 Minuten dauert eine Fahrt von der Goldenen Brücke bis zum Zoo.

Wo wurde das Schiff gebaut?

Posorski: Der Wasserbus wurde 1974 nach holländischem Vorbild aus Mahagoni auf Eiche in einer Werft am Dümmer See gebaut. Ein tolles Schiff, das besondere Ecken und Kanten hat.

Die Größe?

Posorski: Landois ist 17 Meter lang, 4,50 Meter breit. Das Schiff liegt etwa 1,20 Meter im Wasser, es wiegt rund 17 Tonnen und kann bis zu 75 Personen befördern. Viele meinen auch, dass wir ein Seitenstrahlruder haben, um besser anlegen zu können. Dann sage ich immer, das kann ja jeder damit. Ein Raunen geht durchs Schiff, wenn wir ablegen, denn dann muss ich das Boot mit den Füßen vom Ufer abstoßen. Viele Gäste meinen dann, dass ich nicht mehr aufs Schiff komme.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Posorski: Ich starte um neun Uhr am Zoo und bin bis 19 Uhr mit dem Schiff unterwegs. Die Saison beginnt Ostern und endet im Oktober.

Macht der Job Spaß?

Posorski: Es ist ein toller Job, aber gelegentlich auch sehr anstrengend. Denn neben dem Fahrkartenverkauf muss ich auf das Wetter achten, auf den Fahrplan und auf die Bengel, die von der Brücke auf den Wasserbus spucken. Ich muss die Wassersportler auf dem Aasee im Auge behalten und die Fahrgäste mit Getränken sowie mit Informationen über den Aasee und allem rund um das Wasser versorgen.

Müssen Sie sich bei Gewitter mit dem Holzschiff verkriechen?

Posorski: Bei Blitz und Donner warte ich entweder im Zoo oder unter der Torminbrücke. Auf Holzreste von den Bäumen muss ich achten, damit die nicht in die Schraube geraten. Im Zweifel gehe ich vom Gas. 15 Meter dauert ein Bremsmanöver mit dem Schiff.

Haben Sie noch Träume, die Sie sich in ihrem neuen Job gerne erfüllen möchten?

Posorski: Mein größter Wunsch wäre es, bei schönem Wetter mit einem zusätzlichen Vollcabrio über den Aasee zu fahren. Aber auch die Idee der Nachtfahrten lässt mich nicht los. Und wenn ich ganz ehrlich bin, wünsche ich mit eine Funkfernbedienung für das Schiff, um mich noch mehr den Gästen und den mannigfaltigen Situationen widmen zu können.

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