Nachrichten Münster
Etablierter Phlegmatiker - Dreharbeiten zu Wilsberg-"Jubiläum" gestartet

Mittwoch, 30.04.2008, 14:04 Uhr

Münster – Ob US-Hochglanzprodukte wie die CSI-Reihe oder etablierte deutsche Sendungen wie der sonntägliche „Tatort“ – die Krimi-Konkurrenz im deutschen Fernsehen ist groß. Dennoch hat es der in Münster ermittelnde Privatdetektiv Wilsberg geschafft, sich auf dem Zuschauermarkt zu etablieren. Um den leicht schlampigen und stets unter Geldnot leidenden Ex-Anwalt und Antiquar wider Willen rankt sich inzwischen schon die 25. Folge unter dem passenden Titel „Das Jubiläum“. Die Dreharbeiten dazu haben gerade in Münster begonnen.

Die Reihe startete 1995 mit einem Pilotfilm: „Und die Toten lässt man ruhen“, damals noch mit Joachim Król in der Hauptrolle. Danach schien die Ruhe auch über Wilsberg zu kommen, denn es dauerte drei Jahre, bis es weiter ging. Dann mit Leonard Lansink in der Titelrolle. Die Idee hatte ZDF-Redakteur Martin Neumann . Er ist selbst Westfale und stammt aus Bielefeld. Von einem Freund hatte er die Kriminalromane des Münsteraner Autors Jürgen Kehrer empfohlen bekommen.

Kehrers Krimi-Gerüst mit viel Lokalkolorit wurde fürs ZDF abgewandelt: Übrig blieben der gescheiterte Anwalt Georg Wilsberg, der nun von Antiquariat und Privatdetektei lebt und natürlich die Stadt Münster. Die eigentliche Fernsehreihe startete 1998. Seitdem mimt Lansink den verschrobenen Privatdetektiv Georg Wilsberg, der immer wieder in verwickelte Situationen stolpert. Stets mit von der Partie sind auch seine Helferin Alex (Ina Paule Klink), von der Studentin inzwischen zur jungen Anwältin gereift sowie WilsbergFreund und Steuerprüfer Ekki Thalkötter (Oliver Korittke), der als Dauer-Autoverleiher herhalten muss und in dieser Rolle Manni Höch alias Heinrich Schafmeister ablöste. Einige der Drehbücher stammen aus der Feder des Wilsberg-Erfinders.

Die Stadt Münster nimmt einiges in Kauf, um über die Fernsehreihe bundesweit Aufmerksamkeit zu erzielen. So müssen etwa eigens die Straßen gesperrt werden, wenn Wilsberg mit – meist geliehenem Auto - durch die Stadt fährt – nicht nur weil Hauptdarsteller Lansink keinen Führerschein hat. Er selbst hat nicht nur deshalb die westfälische Stadt als Drehort liebgewonnen. Lansink und sein Team fühlten sich von den Münsteranern geradezu „adoptiert“, sagt er. Und auch Münsters Oberbürgermeister Berthold Tillmann hat schon als Statist bei Wilsberg mitgewirkt. Am Dienstag überreichte er Lansink alias Wilsberg aus Anlass der 25. Folge die silberne Rathausmedaille.

Die Mischung aus Krimi und Komödie sei das, was die Reihe so sympathisch mache, erläutert Münsters Stadtsprecher Joachim Schiek: „Natürlich geht es um Kriminalität, aber Gewaltszenen werden nicht gezeigt, eher knisternde Spannung.“ Und Lansink fügt hinzu: „Bei uns können auch Kinder zusehen, denen muss man nur sagen, dass das Blut in der Badewanne Ketchup ist.“

Die Wilsberg-Reihe sieht Schiek als Vorreiter was Münsters Popularität angeht. Das kann der zuständige ZDF-Redakteur Neumann bestätigen: „Jeder dritte Deutsche kennt Wilsberg und somit auch Münster“, sagt er und ergänzt: „Ich glaube sogar Bayern mögen mittlerweile Wilsberg“. Das Konzept mit dem westfälischen Lokalkolorit scheint also aufzugehen. Dabei ist aber nicht nur Münster im Mittelpunkt: Wer die Reihe kennt, der weiß, dass in jeder Folge mindestens einmal Bielefeld auftaucht. „Schließlich wollte ich meine Heimatstadt auch erwähnt wissen, und inzwischen hat es sich zu einem Running Gag entwickelt, zumindest einmal den Namen zu nennen“, sagt Redakteur Martin Neumann.

Wilsberg als Samstagabendkrimi erzielt gute Quoten, auch beim jüngeren Publikum: Insgesamt erreichen die Folgen einen Marktanteil von durchschnittlich 18 Prozent, bei den 18 bis 49-Jährigen schauen 12,5 Prozent zu. Die Reihe kann noch eine Weile laufen, Lansink gefällt die Rolle als Wilsberg: „Ich bin als Schauspieler auf der faulen Seite und habe mir selbst Wilsberg so ähnlich gemacht, dass ich mich nicht so anstrengen muss“, sagt der Darsteller des leicht phlegmatischen Westfalen. Wilsberg sei offensichtlich ein typischer Münsteraner. „Nur sein Beruf ist nicht gerade typisch für die Stadt, also müssen wir uns all die Morde ausdenken.“ Lansink selbst würde sich nur eines noch wünschen: „Natürlich darf Wilsberg keine Frau haben, schließlich muss ein Privatdetektiv einsam, hungrig und arm sein, aber suchen muss er eine Frau und sie dann bestenfalls im Opfer finden, oder noch besser: In der Täterin“.

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