Nachrichten Münster
Mit jedem Mord wächst die Liebe

Dienstag, 15.04.2008, 06:04 Uhr

Münster . Zwischen Mord und Totschlag wächst die Liebe. Furchtbare Verbrechen und emsige Ermittler begleiten sie. Beim gemeinsamen Latte macchiato gegen 10.30 Uhr in der schicken Klavierlack-Küche fängt das Philosophieren über das Verderben an. Denn Sandra Lüpkes ist Krimiautorin, die mit Romanen Karriere machte, die mit viel Lokalkolorit getränkt sind. Die Insel Juist , lange Zeit ihre Heimat, hat sie aber verlassen – für ihren Freund und Kollegen Jürgen Kehrer .

Lange Zeit pendelten die beiden zwischen Westfalen und Waterkant. Anfang des Jahres hat die 37-Jährige ihren Wohnsitz nach Gievenbeck verlegt. Die Krimiautoren-Kommune kommt schnieke daher: erstbezogenes Reihenhaus, grau verputzt, rote Tür, innen kein Künstler-Chaos, sondern wie aus dem Katalog.

Bücher wurden aus dem Erdgeschoss verbannt. „Jürgen hat so viele“, sagt Sandra Lüpkes. Nur die wichtigsten Werke halten der strengen Auswahl stand - darunter Storms Schimmelreiter, ein Rom-Reiseführer und der ungebundene Stapel Papier mit dem Stoff, aus dem ein Bestseller ist. Allesamt bloß an die Wand gemalt.

„Ja“, seufzt Pastorentocher Sandra Lüpkes, „ein Buch – und ausgesorgt haben“. Vielleicht ein Traum. Auf dem langsamen Weg zum Ruhm hat das Paar schon viele Etappen geschafft. Trittsicher. Sie rangieren „direkt unter der Bestseller-Liga“. 10 000 bis 20 000 Mal verkauften sich ihre Krimis im ersten Jahr, resümieren Kehrer und Lüpkes.

Ihre Hauptfiguren sind nicht getrennt von ihren Einsatzorten zu denken: Wilsberg wurzelt in Münster, und die Hauptkommissarin Wencke Tydmers zieht von der Wache in Aurich auf Verbrecherjagd.

In der Polizistin, die nach der Babypause wieder ihren Dienst antritt, findet sich viel von ihrer Schöpferin: Die Autorin hat eine acht- und eine elfjährige Tochter, die sie mit in ihre Wahlheimat genommen hat. Auch sie vereinbart Mutterpflichten und Karriere.

Auf Juist hat sie viel aufgegeben: Haus, Ehemann, Familie – die sichere bürgerliche Existenz. Jürger Kehrer hat seine friesische Freundin aber nicht im Sturm erobert. Durch Krimi-Messen und Autoren-Clubs (Das Syndikat) waren sie sich schon öfter begegnet.

Den Schritt vom Kollegen zum Partner leitete Lüpkes selbst ein. Sie rief mit einem Buchhändler ein Autoren-Stipendium ins Leben. „Ich war so allein auf Juist . . .“ Und justamente Kehrer war der Erste, der es erhielt. Danach bot der nun 52-Jährige ihr an, gemeinsam ein Drehbuch zu schreiben. „Das war seine Masche“, sagt Lüpkes mit einem Knuff in Kehrers Rippen. Das Skript schlummert noch in der Schublade, aber die Liebe erhielt Schub. Sie überstand die Phase einer Wochenendbeziehung.

Im gemeinsamen großen Haus funktioniert auch das disziplinierte Schreiben. Jeder hat seine Arbeitsetage. Kritisch-kollegialer Austausch? Ja, aber ohne Wortklauberei. Gegengelesen werden die Manuskripte erst, wenn sie so gut wie beendet sind. Die Unterschiede ihrer Krimis beschreibt Lüpkes so: Bei Kehrer gehe es vor allem darum, wer es war, bei ihr warum.

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