Nachrichten Münster
Kopfschütteln über Laumann

Münster. Die Nachricht vom geplanten Abzug des Krebsregisters aus Münster hat bei Politikern, Wirtschaftsvertretern und Medizinern in der Stadt großes Kopfschütteln ausgelöst. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, gestand Oberbürgermeister Dr...

Montag, 23.06.2008, 20:06 Uhr

Münster . Die Nachricht vom geplanten Abzug des Krebsregisters aus Münster hat bei Politikern, Wirtschaftsvertretern und Medizinern in der Stadt großes Kopfschütteln ausgelöst. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, gestand Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann . Er habe nie und nimmer damit gerechnet.

Am Freitag hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ankündigen lassen, das hiesige Krebsregister sowie die Außenstelle des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit auf einen neuen „Gesundheitscampus“ im Ruhrgebiet verlegen zu wollen. Rund 90 Arbeitsplätze sind davon betroffen.

Unverständlich sei die Entscheidung vor allem deshalb, so Tillmann, weil man Münster und die Region in Absprache mit dem Land NRW als Gesundheitsstandort profilieren wolle. „Nun wird eine wichtige Säule dieses Bündelungsprozesses im Nachtzug ins Ruhrgebiet gesetzt.“

Der Oberbürgermeister kritisierte die anhaltende „kompensatorische Politik“ zugunsten des Ruhrgebiets. Es könne keine Lösung für NRW sein, den einen gesund zu machen, indem man den anderen schwäche. Das will Tillmann dem Minister in einem Brief mitteilen, wie er ankündigte.

Mit seinem Federstreich hat Laumann auch seine beiden Parteifreunde und münsterischen CDU-Landtagsabgeordneten, Marie-Theres Kastner und Prof. Dr. Thomas Sternberg, düpiert. Denn die waren offenbar – wie wichtige Entscheidungsträger in Münster – nicht in die Abzugspläne eingeweiht worden. „Wie das passieren kann, kann ich ihnen auch nicht sagen“, gab sich CDU-Frau Kastner auf Anfrage ratlos. Sternberg erklärte, sich „vehement für den Verbleib des Krebsregisters in Münster“ einsetzen zu wollen.

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, sieht nicht vollends schwarz: Als Mitgesellschafterin des Krebsregisters sehe man „keinen Sinn“ in einem Umzug ins Ruhrgebiet. „Die Gesellschafter müssen es entscheiden.“ Und mit Blick auf den Gesundheitsstandort Münster, der vor gar nicht langer Zeit mit Minister-Hilfe propagiert worden war, ergänzte Windhorst: „Ich sehe nicht ein, dass wir uns so entblößen.“

In die gleiche Kerbe schlug Münsters oberster Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers: „Da bebt die Erde unter uns!“ Es sei mit dem Land abgestimmt gewesen, dass Münster als Gesundheitsstandort weiter entwickelt werde, und Laumann selbst habe wiederholt die Bedeutung des Münsterlands als Gesundheitsregion unterstrichen.

Auch die Beschäftigten des Landesinstituts für Gesundheit in Münster planen Widerstand gegen ihre Umsiedlung, wie es aus Personalratskreisen heißt.

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