Wirtschaft Münster
Einzelhandelskonzept für Münster heiß diskutiert

Münster. Rund 100 000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen sind derzeit in Münster neu geplant. Für weitere 50 000 Quadratmeter gibt es Anfragen. Zahlen, die gestern Abend Reinhard Hopp aus dem Amt für Stadtentwicklung an die Wand projizierte...

Mittwoch, 11.06.2008, 11:06 Uhr

Münster - Rund 100.000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen sind derzeit in Münster neu geplant. Für weitere 50.000 Quadratmeter gibt es Anfragen. Zahlen, die gestern Abend Reinhard Hopp aus dem Amt für Stadtentwicklung an die Wand projizierte.

Bei solchen Dimensionen ist Steuerung gefragt. „Mehr Fläche“, kommentierte bei einer Diskussion über das aktualisierte Einzelhandelskonzept der Stadt der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes, Michael Radau , „heißt ja nicht auch höhere Rentabilität für die Betriebe“.

„Wenn Rentabilität nicht bedacht wird, laufen wir Gefahr, durch Ansiedlung künftigen Leerstand zu produzieren“, relativierte auch Dr. Donato Acocella die Freude über zu eindrucksvolle Zahlen. Der Stadt- und Regionalentwickler warnte, dass durch Flächenwachstum etwa bei neuen Discountern die Nahversorgung insgesamt ausgedünnt werden könnte.

Das neue Einzelhandelskonzept bewege sich im Spagat von „Ansiedlung und Abwehr“, sagte Diskussionsleiterin Elke Frauns. Es soll steuern, welche Sortimente zulässig sind und wie sich die 48 Nahversorgungsbereiche der Stadt in Konkurrenz zu den sechs Sonderstandorten entwickeln können.

Ein Beispiel für eine positive Neuentwicklung stellte Dr. Thomas Robbers von der Wirtschaftsförderung vor. In Wolbeck entstehe ein „zeitgemäßes“ Nahversorgungszentrum, inklusive Discounter. Dagegen gebe es an der Windhorststraße eine Tendenz zur „Banalisierung“. Diesen Bereich im Bahnhofsviertel müsse man wie ein zusammenhängendes Shopping-Center entwickeln.

Ein Einzelhandelskonzept gab es auch früher, das neue ist allerdings zielgenauer geplant, inklusive eingeschränkter Sortimente. Derzeit, so ein Beispiel von Reinhard Hopp, versuchten etwa Möbelmärkte Baby- und Kinderabteilungen aufzubauen: „Die halten wir für zentrumsrelevant.“

Dass Maßstäbe in der Vergangenheit manchmal zu weich angewandt wurden, kritisierte Einzelhändler Michael Radau: „Wir haben uns gefragt, warum es ein Konzept gibt, wenn man sich nicht daran hält.“

Wie vielschichtig das Thema ist, zeigte ein Senior aus dem Publikum: Er regte an, im Konzept auf barrierefreies Erreichen der Läden zu drängen. Tatsächlich sprach er ein Problem an, das Amtsleiter Christian Schowe durchaus ernst verfolgte. Der Einzelhandel müsse wohnortnah und fußläufig erreichbar sein – gerade mit Blick auf die demographischen Veränderungen. Schowe: „Möglicherweise wird in einigen Jahren wieder der Milchwagen durch die Viertel fahren.“

Ein Handwerker klagte, dasEinzelhandelskonzept schreibe ihm vor, dass er nur zehn Prozent zentrumsrelevante Sortimente führen dürfe: „Auf unseren eigenen Flächen – das empfinde ich als Diktat der Stadt.“ Amtsleiter Schowe vertröstete ihn damit, dass es für Handwerker Ausnahmen gebe – für selbst gefertigte Produkte.

Allerdings warnte auch Wirtschaftsförderer Dr. Robbers davor, dass in zunehmendem Maße Handwerksbetriebe in Einzelhandelsmärkte umgewandelt würden.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/409765?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F696369%2F696384%2F
Polizei nimmt 24-Jährigen fest
Großaufgebot der Polizei am Mittwochnachmittag an der Don-Bosco-Schule.
Nachrichten-Ticker