Nachrichten Münster
Rüttgers’ Rhein-Ruhr-Express

Montag, 14.07.2008, 11:07 Uhr

Seien wir ehrlich: Ist ein Aufschrei der Massen zu erwarten, wenn die Landesregierung demnächst entscheidet, dass Köln und Essen ein Staatstheater erhalten, Münster aber nicht?

Nein, die Münsteraner werden es mit Fassung tragen. Sie werden auch nicht gegen höhere Förderquoten für die Kunsthalle Köln aufmucken, und sie haben sicher auch ein Einsehen, dass das Gürzenich-Orchester in Köln den Titel „Staatsphilharmonie Nordrhein-Westfalen“ eher verdient hat das SinfonieOrchester der Stadt Münster.

Trotzdem muss das Kultur-Gutachten der Landesregierung, das jetzt vorliegt, jeden Münsteraner beunruhigen – und zwar nachhaltig. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat noch beim Kramermahl 2008 in Münster die „Kreativwirtschaft“ als eine Schlüsselbranche der Zukunft bezeichnet. Jetzt ist Rüttgers offenbar gewillt, kreative Pflöcke einzuschlagen. Die dicken in Köln, die dünnen in Düsseldorf und Essen.

Die Universitätsstadt Münster indes kommt in dem kulturellen Zukunftsszenario nicht vor – trotz der Präsenz von acht Hochschulen in der Stadt, trotz Skulpturen-Ausstellung und Picasso-Museum. Die Landesregierung will einen verstärkten Austausch mit ausländischen Künstlern und Wissenschaftlern erreichen, sie will mehr Filmförderung, mehr Festivals – aber nicht nördlich der Lippe, wo aus Düsseldorfer Perspektive bekanntlich die Welt zu Ende ist. Es spricht Bände, wenn die Gutachter an den Anfang ihrer Analyse den Satz stellen: „Durch den Umzug der Bundesregierung nach Berlin hat das Rheinland, neben Bonn auch Köln als Kunstmetropole, einen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen.“

Doch bevor wieder der typische Anti-Düsseldorf-Reflex einsetzt, sollten sich die Münsteraner auch mal an die eigene Nase fassen. Denn man kann schon ins Grübeln kommen, wenn just in einer Zeit, in der in Münster das Projekt Musikhalle beerdigt wird, die beauftragten Kulturexperten empfehlen, das Konzerthaus Dortmund wegen seines „Modellcharakters“ verstärkt zu fördern.

Hier zeigt sich: Protestieren allein genügt nicht. Münster muss auch Ehrgeiz zeigen, wenn der Rhein-Ruhr-Kulturexpress nicht komplett an Münster vorbeirollen soll.

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