Hochschule Münster
Islamlehrer sollen in Münster bleiben

Dienstag, 16.09.2008, 12:09 Uhr

Münster - Unter den 26 Lehramtsstudenten, die sich am Centrum für religiöse Studien der Universität als islamische Religionslehrer ausbilden lassen, ist die Stimmung seit vergangener Woche gedrückt. Dass der Koordinierungrat islamischer Verbände sich vom für ihre Ausbildung zuständigen Lehrstuhlinhaber Prof. Muhammad Sven Kalisch distanziert und öffentlich zum Boykott des Studiengangs an der Uni Münster aufgerufen haben, rufe große Besorgnis hervor, sagt Müfti Daknili , wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent im Studiengang für Islamlehrer.

Im kommenden Jahr steht für die ersten Studierenden, die sich 2004 auf das unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit aus der Taufe gehobene bundesweit seinerzeit einzigartige Experiment eingelassen haben, das Examen an. Das Fach ist nur als Erweiterungsfach studierbar, wer es wählt, absolviert nicht nur die Anforderungen in den normalerweise zwei, sondern in drei Fächern, muss unter anderem Arabisch lernen.

Wie es aussieht, können die zukünftigen Islamlehrer gelassen bleiben, denn das Innovationsministerium in Düsseldorf will an der Ausbildung an der Uni Münster festhalten, betonte gestern ein Sprecher. Voraussetzung: Ministerium und islamische Verbände sollen bei der Besetzung der an der Uni Münster ausgeschriebenen Professorenstelle für islamische Religionspädagogik ein Mitspracherecht haben. „Das Berufungsverfahren bleibt in der Hochschule, das Ergebnis wird abgestimmt“, so der Sprecher.

Eine Lösung, die auch der Universität zusage, bestätigt deren Sprecher Norbert Frie. Die Lehrerausbildung werde von der neu zu besetzenden Stelle organisiert und betreut, Professor Kalisch bleibe am Centrum zuständig für islamische Theologie. Einen Fall Küng, Herrmann oder Lüdemann wie in den christlichen Kirchen werde es hier nicht geben. „Im Islam gibt es nicht wie in der katholischen oder evangelischen Kirche eine autorisierte Lehrmeinung.“ Undenkbar also, dass Kalisch an der WWU, ähnlich wie in den 80er Jahren der katholische Professor Horst Herrmann, in einem anderen Fachbereich eingesetzt würde, weil seine wissenschaftliche Auffassung nicht mit herrschenden Tendenzen der Religion übereinstimme, betont Frie die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.

Genau diese sieht Müfti Daknili durch die Einflussnahme islamischer Kräfte außerhalb Deutschlands bereits eingeschränkt. Die islamischen Verbände hätten nun mit ihrer Stellungnahme nachvollzogen, was etwa in der religiös geprägten türkischen Zeitung „Eurozaman“ bereits vor Monaten gefordert worden war. Hier wurde wiederholt in Zweifel gezogen, dass Islamlehrer von Kalisch ausgebildete werden könnten, der in den Propheten keine zeitgeschichtlichen Personen sieht.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/399934?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F696369%2F696374%2F
Mega-Serie der WWU Baskets endet in Schwenningen – aber noch ist alles drin
Alex Goolsby (r.) und die Baskets verloren erstmals seit Monaten wieder.
Nachrichten-Ticker