Kultur Münster
Familientreffen der Wortdrechsler

Münster. Die Organisatoren waren klug genug gewesen, das von Donnerstag bis Samstag dauernde NRW-Slam nicht allein auf das Cubanova zu konzentrieren, sondern es auch auf die Cascade auszudehnen. Denn auch so wurde es bei den schätzungsweise 700...

Sonntag, 14.09.2008, 18:09 Uhr

Münster - Die Organisatoren waren klug genug gewesen, das von Donnerstag bis Samstag dauernde NRW-Slam nicht allein auf das Cubanova zu konzentrieren, sondern es auch auf die Cascade auszudehnen. Denn auch so wurde es bei den schätzungsweise 700 Besuchern oft recht eng, wie ein proppenvolles Cubanova zeigte. Das Spektakel erwies sich nicht nur als die größte deutsche Poetry-Slam-Meisterschaft in diesem Jahr, sondern war auch der erste NRW-Slam überhaupt. Doch trotz seiner Erstmaligkeit bot das dreitägige Happening einige Déjà-vu-Erlebnisse: So waren die 40 aus verschiedenen deutschen Städten angereisten Slammer nicht selten auch die Zuhörer bestens miteinander bekannt. Dadurch hatte das dreitägige Happening eher den Charakter eines großen Familientreffens als das eines knallharten Wettbewerbs, was den lockeren Charakter angenehm unterstrich.

Vor allem der Auftritt Sulaiman Masomis aus Paderborn zeigte, dass einige der vorgetragenen Werke bereits genauso bekannt waren wie ihre Autoren. Als der in Kabul geborene Student der Literaturwissenschaft seine bekannte Geschichte „Ein Kanake sieht rot“ vortrug, merkte man es dem schon nach wenigen Worten begeistert raunendem und sich zunickendem Publikum deutlich an: Das Werk war bereits bestens bekannt. Aber auch neue Texte wurden vorgestellt, wie etwa von der Bonnerin Nadja Schlüter : Die ehemalige U20-Meisterin im deutschsprachigen Poetry Slam beeindruckte unter anderem mit einem Gedicht über Liebe und Wäsche und zeigte dabei, dass diese, mit einer Prise Witz versehen, literarisch eine durchaus saubere Sache ergeben kann. Das schien das Publikum ähnlich zu sehen: Es belohnte Schlüter mit dem dritten Platz. Damit lag sie gleich hinter dem Bielefelder Mischael-Sarim Verollet und dem Gewinner Tobias Kunze aus Hannover, der den Slam am Samstagabend zu später Stunde mit einer Geschichte über den Fortgang des Stuhlganges zum krönenden Happy End verhalf. Der vierte Platz wurde schließlich von einem Münsteraner erreicht – dem ausschließlich unter seinem Pseudonym auftretenden Poeten „der Marian“, während seine beiden Ortskollegen Herbert Beesten und Andi „Substanz“ Lating bereits in der Vorrunde ausschieden. Der Preis jener zwölf Kandidaten, die es in die Endrunde geschafft haben: Noch in diesem Jahr werden sie mit ihren vorgetragenen Texten auf einer CD erscheinen.

Natürlich bekam das Publikum nicht ausschließlich literarisches Gold geboten – doch warum auch? Der Mix aus bis ins Groteske parodierten Situationen, Wortakrobatik und ungewöhnlichen Assoziationsketten war stets kurzweilig und zuweilen sogar brüllend komisch. Das zeigten auch die freudigen Reaktionen der Zuhörer, die sich mal durch kurze Zwischenrufe, mal durch langes Klatschen ausdrückten.

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