Kultur Münster
Klaus Kinski verwirrt die Kanzlerin

Montag, 29.09.2008, 12:09 Uhr

Münster . Bläulich schimmert das Mondlicht auf die Bühne, fällt auf zwei irre funkelnde Augen und eine irre zuckende Lippe. Die vertraute Stimme spricht Verse von François Villon . Kein Zweifel – Klaus Kinski lebt!

Und es ist sein „geliebter Feind“, der Regisseur Werner Herzog, dessen Stimme das Publikum aufklärt: Kinski, der geniale Berserker, sei nicht tot, er verstecke sich nur vor der Steuerfahndung in einer Dachkammer. „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, verzehrt sich stöhnend der Wiedergänger Villons nach der Einen, dem „Falter in dem Wurme“, den nur er allein erkennt: Der „Königin der Macht“ – Angela Merkel!

Zu Mozarts Musik wird sie kurz darauf um die Ecke watscheln und Michel Friedmann um Rat bitten, „bevor das Bollwerk meiner erotischen Ab-wehrbereitschaft bricht“. Eine bizarr komische Konstellation, wie nur ein Reiner Kröhnert sie auf die Bühne bringt.

Der Meisterparodist läuft außer Konkurrenz: Kein anderer Imitator hat die Parodie zu solcher Perfektion gesteigert. Er kann nicht nur das Timbre und den Dialekt, auch das Mienenspiel stimmt bis ins letzte Detail. Wenn Kröhnert seine Pappenheimer in großer Runde durcheinander schwadronieren lässt, reicht meist schon ein Stirnrunzeln, und die Zuschauer im Bürgerhaus Kinderhaus erkennen blitzartig das „Switchen“ der Figuren. „Schäuble!“ oder „Ah, Stoiber“, raunt es durchs Publikum.

Die Kanzlerin ist in erotischer Verwirrung ob all der Briefworte Kinskis von „Wurzelhaar und Tigerinnen-Dunst“. Schon ist eine mobbende Männerrunde versammelt, die Verwirrte vom Thron zu stürzen. Den Vorsitz hat der Herr der Wanzen und Kameras, der an der „Achsel des Bösen“ schnüffelt: Big Schäuble is smelling you. Die Frau aus dem „Oschten“ sei gefähr-lich. Da sind sich alle einig – sogar altlinke Kämpfer wie Cohn-Bendit oder Wolf Biermann. Schröder und sein Kumpel „Strucki“ haben sowieso alles Rote schon weggemobbt – nur die „Frustschnecken“ Nahles und Ypsilanti sind noch übrig. Allein Zwei plädieren für Merkel: Hintze und Pofalla, die sich gegenseitig auf der Kriechspur überholen. Als wären alle leibhaftig anwesend! Nur der Dicke aus Oggersheim hat zu wenig Bass.

In Wirklichkeit aber hat die Königin der Macht alle Fäden in der Hand und Kröhnert bis zum Schluss noch manche Finte parat. In seinem irren Panoptikum entlarvt sich jeder Sprücheklopfer selbst. Und andere Kabarettisten tun einem fast schon leid.

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