Wirtschaft Münster
Der erste Apotheker war ein Beamter

Münster. Die Stern-Apotheke auf der Ludgeristraße / Ecke Promenade genießt eine lange Tradition. Sie wurde vor 350 Jahren gegründet und gehört in Münster mit zu ältesten Apotheken, sagt Dr. Cajus Brüning...

Freitag, 19.09.2008, 06:09 Uhr

Münster - Die Stern-Apotheke auf der Ludgeristraße / Ecke Promenade genießt eine lange Tradition. Sie wurde vor 350 Jahren gegründet und gehört in Münster mit zu ältesten Apotheken , sagt Dr. Cajus Brüning . Der 40-jährige Pharmazeut steht in einer langen Familientradition. Seit 1939 betreibt seine Familie die Apotheke, die heute acht Mitarbeiter beschäftigt.

1658 wurde die Stern-Apotheke gegründet. Sie befand sich aber damals im Besitz der Stadt. Der Apotheker war ein städtischer Beamter. Es war der 1. Februar 1658, an dem der Rat der Stadt Münster Johann Sundermann die Konzession zur Errichtung einer Apotheke in der Ludgeri-Leischaft erteilte. Das war die Geburtsstunde der „Stern-Apotheke“, die im Laufe ihrer Zeit insgesamt 15 Apotheker erlebt hat.

1939 pachtete der Großvater des heutigen Inhabers die Apotheke und musste während des Zweiten Weltkrieges die Vernichtung des Hauses miterleben. Die Apotheke fiel in Schutt und Asche. Die Nachbarschaft nahm den Großvater und die Stern-Apotheke auf, bis er endgültig mit den letzten Arzneimitteln in den Bahnhofsbunker flüchten musste.

Nach einer Stippvisite auf der Salzstraße gelang es Hermann Brüning schließlich, 1951 die Apotheke von den Erben Wesener zu kaufen. Gemeinsam mit dem Architekten Prof. Bartmann baute Hermann Brüning die Apotheke dann am alten Standort auf der Ludgeristraße wieder auf. Bei den Ausschachtungsarbeiten entdeckten sie zerbrochene Tonpfeifen und eine tönerne Bierkruke, einen „Bullenkopp“. Diese Zeugen früherer Geselligkeit müssen von den alten Schützenbrüdern herrühren, die nach ihren Schießübungen auf dem Schützenwall in ihrem Versammlungshaus getagt und ihre Gelage abgehalten haben, heißt es in einer Chronik der Stern-Apotheke. An der Stelle der Stern-Apotheke am Ludgeritor stand jahrhundertelang das Schützenhaus der alten Gesellschaft der Großen Schützen, die 1557 vom Rat der Stadt neu ins Leben gerufen worden war. Das Schützenhaus wurde in der 80er Jahren des 18. Jahrhunderts abgebrochen und 1787 an der Ecke Schützenstraße neu aufgebaut.

Die Stern-Apotheke aber blieb der Innenstadt treu. 1968 übernahm Sohn Dr. Helmut Brüning die Apotheke. Der 73-Jährige ist auch heute noch jeden Vormittag im Betrieb anzutreffen, denn sein Vater beherrsche die Kunst, Tabletten selbst herzustellen, sagt Dr. Cajus Brüning, der die Apotheke im Jahre 2004 von seinem Vater übernommen hat.

Eigentlich hatte er nach der Schule mit dem Gedanken gespielt, Lehrer zu werden. Heute sei er froh über seine pharmazeutische Ausbildung. „Ein toller Beruf“, betont der 40-Jährige – trotz des Wandels im Apothekenwesen. Botendienste und Qualitätsmanagement seien heute für eine Apotheke normal. Ihre Schwerpunkte seien neben der Homöopathie die Herstellung eigener Rezepturen und Defekturen. Dr. Cajus Brüning setzt auf Service und vor allem auf Beratung. Die schnelle Beschaffung von Medikamenten sei heute ebenso ein Vorteil. Bis zu fünf Mal täglich werde die Stern-Apotheke vom Großhandel beliefert.

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