Hochschule Münster
Gummi aus Kaninchenfutter

Montag, 13.10.2008, 12:10 Uhr

Münster . Kaninchen sind verrückt nach Russischem Löwenzahn. Dabei taugt die Pflanze nicht nur als Kaninchenfutter , sondern sie hat auch Eigenschaften, die sie wirtschaftlich interessant machen: Sie produziert Kautschuk.

Da synthetisch hergestellte Kautschukprodukte wegen steigender Ölpreise immer teurer werden, könnte der Löwenzahn zu einem wichtigen Gummilieferanten werden. Daran forschen auch Wissenschaftler der Universität Münster, schreibt die Uni in einer Pressemitteilung.

Prof. Dr. Dirk Prüfer und seine Mitarbeiter vom Institut für Biochemie und Biotechnologie der Pflanzen der WWU arbeiten daran, für die Gummiherstellung die optimalen Voraussetzungen zu schaffen: Sie wollen eine Löwenzahnsorte züchten, die aufgrund ihrer Eigenschaften für die Kautschukproduktion noch wesentlich besser geeignet ist als die herkömmliche Pflanze. Zudem betreiben sie Grundlagenforschung, um die biologischen Mechanismen der Kautschukproduktion besser zu verstehen.

Die Erforschung Kautschukliefernder Pflanzen wird durch das neue EU-Projekt „EU-PEARLS“ vorangetrieben. Das Projekt wird von der Europäischen Union mit 5,6 Millionen Euro gefördert. 682 000 Euro davon gehen an die münsterschen Forscher.

„Durch die steigenden Ölpreise wird Naturkautschuk wieder interessanter“, so Prof. Prüfer. Allerdings hat der herkömmliche Naturkautschuk, der aus dem Gummibaum gewonnen wird, zwei Nachteile: Die derzeit produzierte Menge ist kaum ausreichend und könnte auch kurzfristig nicht erhöht werden. Zudem löst Naturkautschuk, der aus dem Gummibaum gewonnen wird, häufig Allergien aus, im Gegensatz zu synthetisch hergestelltem Kautschuk – und im Gegensatz zu Kautschukaus Löwenzahn.

Während der in Deutschland heimische Löwenzahn nur sehr geringe Mengen an Kautschuk produziert und daher für die Gummiherstellung uninteressant ist, liefert der aus Russland stammende Löwenzahn große Mengen davon - der Kautschukanteil macht über ein Drittel des Milchsaftes der Pflanze aus. Allerdings gibt es ein „Problem“: "Sobald die Pflanze verletzt wird und latexhaltiger Milchsaft austritt, wird der Saft braun und fließt nicht mehr“, erklärt Prof. Prüfer. Diese Reaktion dient dem Verschluss von Verletzungen des Pflanzengewebes. Gleichzeitig behindert diese Eigenschaft jedoch die Kautschuk-Gewinnung. Die Forscher wissen, welches Enzym für die Gerinnung des austretenden Milchsafts verantwortlich ist. Sie wollen daher durch klassische Züchtung eine Pflanze erhalten, bei der der Fließ-Stopp ebenfalls ausgeschaltet ist. Bis eine solche Zuchtlinie entstanden und „marktreif“ ist, vergehen etwa fünf Jahre, schätzt Prof. Prüfer.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/396813?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F696369%2F696373%2F
Nachrichten-Ticker