Kultur Münster
Cinema brummt wie Bienenstock

Freitag, 31.10.2008, 16:10 Uhr

Münster . Die Schlange der wartenden Kinofreunde reichte bis an den Gehweg, vor der Kasse ein schier unübersehbares Gewusel , dann die aufgrund des großen Andrangs gleichzeitige Vorführung des Filmes in zwei Sälen: „Mein Freund aus Faro “ hatte im Cinema im Rahmen der „10. Queerstreifen“ eine großartige Münsterlandpremiere.

Obwohl erst in diesem Jahr fertiggestellt, war er schon auf mehreren Festivals erfolgreich zu sehen. Die junge Regisseurin Nana Neul hat hier ein bezauberndes kleines Werk über die Liebe und das Leben vorgelegt, nachdenklich und witzig zugleich. Sie wertet nicht, gibt keine allwissenden Ratschläge und lässt die Personen des Films für sich sprechen.

Und die machen es allesamt sehr gut. Anjorka Strechel ist als „Miguel“ mit dunklen Kontaktlinsen und schwarz gefärbtem Haar ein Typ zum Knuddeln, eigentlich ist sie aber „Mel“ und als solche eine ziemlich unsicher durchs Leben gehende junge Frau. Aufgewachsen mit Bruder und Vater (wunderbar: ein leicht trotteliger Tilo Prückner als liebender Vater, der garantiert immer das falsche oder gar kein Wort sagt) ist Mel eine burschikose Amazone, die nur ihr angejahrtes Auto liebt.

Der neue Kollege Nuno aus Portugal (Manuel Cortez) inspiriert Mel zur Rolle des „Miguel“ aus Faro, obwohl Nuno meist nur in Kleinstadt-Machomanier herum steht und am Ende häufig als rettender Engel auftritt. Die hübsche Lucie Hollmann als junge Jenny ist der eigentliche Auslöser der komischen und tragischen Liebe Mels. Denn Mel verliebt sich in Jenny, Jenny denkt aber, Mel sei „Miguel“. Gleichgeschlechtliche Liebe, Liebe zu Minderjährigen, Einsamkeit – Mel hat einen schweren Weg vor sich, heraus aus dieser Wirrnis trotz des offenen, hoffnungsvollen Film-Endes.

Nana Neul hat die Geschichte behutsam erzählt, lässt sie sich entwickeln. Eine sparsam eingesetzte Musik, die unendlichen Weiten des Münsterlandes um Greven herum und Bilder aus der Großküche, in der Mel und Nuno arbeiten, dazu das romantische Cottage von Mels Vater illustrieren die immer glaubwürdig wirkende Handlung. Genau so hätte es sein können und Neul sagt, dass sie von einer ähnlichen wahren Geschichte zu diesem Drehbuch und Film inspiriert wurde.

Vor und nach dem Film stellten Thomas Behm vom Cinema und das Publikum ein paar Fragen zum Film, ließen Neul einfach erzählen. Die fröhliche junge Frau mit den wachen blauen Augen und den lustigen hellblauen Wollstulpen an den Unterschenkeln streicht sich das wuschelige Lockenhaar aus der Stirn, steht locker da und strahlt beim Erzählen.

Nach der tollen Premiere gab es Bier und Brezel, viele Gespräche des begeisterten Publikums über den sehr sehenswerten Film. Das Programmkino brummte wie ein Bienenstock und platzte fast aus allen Nähten an diesem Abend.

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