Kultur Münster
Mordswand fürs Flachland

Münster. Gerade einmal 60 Meter liegt Münster über dem Meersspiegel. Keine Spur von Alpenpanorama, schneebedeckten Gipfeln oder Gletschern. Trotzdem kam am Montagabend der Schauspieler Florian Lukas in die Domstadt...

Dienstag, 07.10.2008, 17:10 Uhr

Münster . Gerade einmal 60 Meter liegt Münster über dem Meersspiegel . Keine Spur von Alpenpanorama, schneebedeckten Gipfeln oder Gletschern. Trotzdem kam am Montagabend der Schauspieler Florian Lukas in die Domstadt, um seinen neuen Film „Nordwand“ in einer Vorabpremiere zu zeigen. Ein Werk über jenen berühmt-berüchtigen Berg im Berner Oberland, dessen Besteigung bereits viele Todesopfer gefordert hat.

„Der hat eine solch abartige Größe.“ Lukas reißt die Augen auf, richtet den Blick nach oben. Als würde er noch einmal seinen ersten Moment mit der Wand erleben, die sich mit einem Höhenunterschied von 1650 Metern über das Schweizer Städtchen Grindelwald in den Himmel reckt. „Da versucht man Relationen zu schaffen“, erklärt der Berliner. „Wie oft passt der Fernsehturm wohl hinein?“ Der Berg wird noch größer.

Rund 250 Menschen kamen am Montag ins Cineplex, um cineastisch das zu erleben, was der Schauspieler in einem späteren Publikumsgespräch als „Faszination“ beschrieb. Denn nach einer wahren Begebenheit schildert der Film von Regisseur Philipp Stölzl den Versuch der Erstbezwingung der Eiger-Nordwand, die für die beiden Berchtesgadener Toni Kurz (gespielt von Benno Fürmann), Andi Hinterstoisser (Florian Lukas) und zwei Österreicher ihrer Seilschaft 1936 tragisch enden sollte. Packend, dramatisch, dennoch nicht übertrieben Action-geladen belebt Stölzl so das Genre des Bergfilms neu. Und damit zog die „ Mordswand “ auch den Flachland-Zuschauer auf 60 Meter Normalnull in ihren eisigen Bann.

„Magisch“ wurde ebenfalls der Berliner angezogen – auch wenn er als Schauspieler selbst gar nicht in der Wand drehte. Zu gefährlich. Steinschlag und plötzlich umschlagendes Wetter waren nicht nur für Kurz und Hinterstoisser ein unkalkulierbares Risiko. Deshalb wurden nach einem Vor-Ort-Vordreh mit Profis viele Szenen in der Halle gemacht. „Aber auch da merkt man schnell, dass ein verlorener Handschuh zum Todesurteil werden kann“, sagt Lukas.

Dennoch: Ohne Vorbereitung wagte sich der Schauspieler nicht in das alpine Filmabenteuer. Rund ein Jahr übte der Berliner, der mit Rollen in „Absolute Giganten“ oder „Good Bye, Lenin“ bekannt wurde, die richtigen Griffe, lernte Techniken und Material kennen. Täglich Sport, zwei bis drei Mal in der Woche in die Kletterhalle – der Bergsteiger-Virus hat schnell auch den Menschen Florian Lukas ergriffen. In diesem Sommer sollte er erleben, was den Pionieren Kurz und Hinterstoisser verwehrt blieb. Mit „Nordwand“-Kameramann Kolja Brandt ging es auf den Eiger. Wenn auch nicht durch die legendäre Wand, dafür aber erfolgreich bis zum Gipfel. „Nordwand – Eine wahre Geschichte“ läuft bundesweit am 23. Oktober in den deutschen Kinos an.|www.nordwand-film.de

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