Kultur Münster
Schönes Fest auf dem Sperrmüll

Montag, 01.12.2008, 10:12 Uhr

Münster - Müllkippe statt Weihnachtskrippe : Für den Esel Ilja könnte das Fest nicht trauriger enden. Denn statt unterm Tannenbaum mit seinen Freunden Ochse, Maria, Josef und dem Jesus-Kind wacht er inmitten von Abfall und Unrat auf, von beschaulicher Stimmung und heimeliger Gemütlichkeit keine Spur. Alt, zerfleddertes Fell und dann noch ein Ohr ab der Krippenesel muss feststellen: Er hat ausgedient. Doch was mit so viel Kummer beginnt, kann in der Vorweihnachtszeit nur ein gutes Ende nehmen, erst Recht in einem Stück für Kinder.

"Esels Ohr" heißt die Inszenierung des "Theater Tritrop", die am Sonntag im Kindertheater Meerwiese Premiere feierte. Und damit zugleich auch Uraufführung. Denn eigens für das "Winterpunsch-Festival" den Kindertheatertagen wurde das Krippenspiel der etwas anderen Art entwickelt. Zwar nicht originalgetreu, dafür aber mit viel Originalität.

So wacht Esel Ilja am zweiten Weihnachtsfeiertag in eisiger Kälte auf und merkt sehr schnell: "Das ist ja überhaupt nicht unserer Stall." Vor vielen Jahren einst von Ururgroßtante Elfriede gebastelt, haben ihn seine Besitzer nun einfach mit altem Geschenkpapier weggeworfen. Doch was raschelt da in all dem Unrat? Don Carlitos ist zunächst skeptisch ob des neuen Mitbewohners unter freiem Himmel und weist dem Esel den Platz beim Restmüll zu. "Der wird morgen abgeholt", so die Ratte aus Argentinien. Doch da sind bereits erste freundschaftliche Kontakte zwischen den einsamen Tieren geknüpft...

Unter der Regie von Silvia Schwab-Jedrusiak, eigentlich Regisseurin beim Jugendtheater "Cactus", schlüpfte Schauspielerin Ulrike Rehbein in die Rolle des alten Krippentiers und verzauberte mit ihrer Interpretation des verstoßenen Esels nicht nur die kleinen Zuschauer bei der ausverkauften Premiere in weihnachtliche Stimmung. Ab der ersten Szene gingen die Kinder mit, teilten das Schicksal der Tiere und hatten immer wieder lautstark gute Ratschläge für den "Esel mit dem ab-en Ohr" und die argentinische Ratte parat. Denn auch dieser Handpuppe gab Rehbein mit piepsig-schräger Stimme und viel Ausdruck im Plüschgesicht einen eigenen Charakter.

Und wie sehr die jungen Zuschauer sich als Teil der Inszenierung begriffen, wurde spätestens am Ende von "Esels Ohr" deutlich. Als Rehbein nach 50 Minuten Spielzeit alle Mitwirkenden auf die Bühne bat, wollte sich auch so manches Kind den gebührenden Applaus nicht entgehen lassen und trat den Weg auf die Bühne an.

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