Nachrichten Münster
Islam-Verein im Visier

Dienstag, 30.12.2008, 19:12 Uhr

Münster - Koranlehre oder Mordaufruf? In dieser Frage ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster seit einigen Wochen gegen einen 31 Jahre alten, aus Tunesien stammenden Mann. Er soll Verantwortlicher des Vereins Islamisches Zentrum Münster e.V. in Gievenbeck gewesen sein. Und zugleich verantwortlich für eine entsprechende Internetseite: Dort soll unter anderem der Tod für Islam-abtrünnige Frauen in Ländern der Scharia (islamisches Recht) als gerechte Strafe gepriesen worden sein.

Öffentliche Aufforderung zu Straftaten lautet der Verdacht, den die Staatsanwaltschaft gegen den 31-Jährigen hegt. Als Sitz des Islamischen Zentrums war im Internet ein Appartement in einem Studentenwohnheim am Heekweg ausgewiesen. Dabei handelte es sich in der Vergangenheit womöglich um die Wohnung des 31-jährigen Verdächtigen, der bisher laut Anklagebehörde noch nicht strafrechtlich in Deutschland in Erscheinung getreten ist.

Seit Anfang Dezember sind die ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft geratenen Seiten vermutlich vom Verdächtigen selbst aus dem Internet genommen worden, auch der Verein scheint inzwischen von der Bildfläche verschwunden. „Wir kennen kein Vereinslokal und keine Aktivitäten“, so Polizei-Sprecher Alfons Probst.

Der möglicherweise strafrechtlich relevante Inhalt soll schon seit dem Jahr 2003 im Internet gestanden haben, sagte Presse-Staatsanwalt Stefan Lechtape unter Berufung auf Recherchen seiner Behörde. Auch der Verfassungsschutz des Landes hat längst ein Auge auf das Islamische Zentrum in Gievenbeck geworfen.

„Die Homepage www.as-sunnah.de des Vereins ,Islamisches Zentrum Münster e.V. und seine Inhalte sind hier bekannt“, hieß es auf eine entsprechende WN-Anfrage aus dem Düsseldorfer Innenministerium. Der Verein finde aber in den Veröffentlichungen des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes keine Erwähnung.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Zuge einer Strafanzeige eines Privatmannes aus dem April dieses Jahres, so Lechtape. Insgesamt gibt es nach Angaben der Polizei sechs Beschwerden über den Inhalt der Internetseite des Islamischen Zentrum Münster. Dieses unterhält offenbar keine Verbindungen zu einem früher namensgleichen Islam-Verein aus Hiltrup, der wegen seiner Nähe zur Terrororganisation Hisbollah schon seit langer Zeit im Fokus des Verfassungsschutzes steht.

Der 31-jährige Verdächtige, der scheinbar nicht mehr am Heekweg wohnt, soll bald vernommen werden, wie es heißt. Kenner der Szene verweisen aber darauf, dass es häufig schwierig sei, Ausschnitte aus der Lehre des Koran strafrechtlich zu verfolgen: „Wenn man solche Zitate im Internet auf die Goldwaage legen würde, hätten wir viele solcher Verfahren.“

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