Nachrichten Münster
Tochter des Hitler-Attentäters berichtet

Freitag, 16.01.2009, 13:34 Uhr

Münster - Diejenigen, die mehr über den 20. Juli erfahren wollten, müsse sie enttäuschen, erklärt die Dame auf dem Podium, ehe sie von ihrem Skript aufblickt und fortfährt: „Diejenigen aber, die hoffen, einen spannenden Abend zu haben, werde ich nicht enttäuschen.“

Dass Konstanze von Schult­hess ihre Lesung dann aber doch mit dem 20. Juli beginnen musste, liegt auf der Hand: Schließlich wollte die Tochter des Claus Schenk Graf von Stauffenberg aus dem Buch lesen, das sie über ihre Mutter geschrieben hat. Und wo könnte man da besser anfangen, als bei dem Ereignis, das das Leben der jungen Familie veränderte: Beim versuchten Attentat auf Adolf Hitler an eben jenem 20. Juli 1944.

Konstanze von Schulthess aber erzählt tatsächlich nichts vom Attentat selbst, sondern beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem die Mutter ihren Kindern vom Tod des Vaters erzählen musste: „Ein schicksalhafter Moment: Tod und Leben reichten sich die Hand. Sie musste ihrer Familie mitteilen, dass der Vater hingerichtet worden war - und zugleich berichten, dass sie schwanger war. Schwanger mit ihrem fünften Kind, mit mir.“

Die Besucher drängten sich im Foyer der Buchhandlung Poertgen Herder am Mittwochabend, und die gespannte Stille während der gesamten Lesung belegte wohl am Eindrucksvollsten, dass die Autorin des Porträts ihrer Mutter, der Frau des Grafen von Stauffenberg, ihr anfängliches Versprechen mehr als hielt.

Es wurde nicht nur ein spannender und atemberaubender, sondern stellenweise auch amüsanter Abend, denn Konstanze von Schulthess verstand es, die tragische Geschichte der jungen Familie mit kleinen Anekdoten aufzuheitern.

So etwa die Charakterisierung ihrer Mutter, die nach dem Krieg alleine fünf Kinder großziehen musste und auf einem Elternsprechtag auf die Frage, in welche Klasse ihr Kind denn gehe, antwortete: „Wissen Sie, ich habe fünf Kinder. Und jedes Jahr kommen sie alle eine Klasse weiter. Oder das eine auch mal nicht. Und jetzt soll ich wissen, in welcher Klasse meine Kinder sind?“

Diese Schlagfertigkeit, die Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg sich ihr ganzes Leben über behielt, erscheint umso außerordentlicher vor dem Hintergrund dessen, was sie durchmachen musste. Ein tragischer „Höhepunkt“ war die Notlüge, mit der sie ihren Kindern zu deren Schutz den Tod des Vaters erklärte: „Der Papi hat sich geirrt. Deshalb hat man ihn erschossen.“ Gefühlvoll fährt die Tochter im Bericht über ihre Mutter fort, „wie schmerzhaft muss ihr die Notlüge gefallen sein, mit der die Kinder ihren Vater ein zweites Mal verloren: Dieses Mal als Idol, als Vorbild.“

Der Bericht handelt von Trauer und Schmerz - aber auch von glücklichen Gefügen, die das Leben ihrer Mutter immer wieder auf eine gute Bahn brachten.

Und der Bericht handelt von Liebe und Stolz, den Konstanze von Schulthess für ihre Mutter empfindet: „Sie war keine ahnungslose Hausfrau, für die sie später oft gehalten wurde. Sie war ihrem Mann eine ebenbürtige Partnerin: In guten wie in schlechten Zeiten - sie hat diesen Satz des Ehegelöbnisses gelebt und einen sehr hohen Preis dafür bezahlt.“

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