Kultur Münster
Klang steckt selbst im kleinsten Ball

Dienstag, 10.02.2009, 17:02 Uhr

Münster . Dass in jedem Sportler auch ein Musiker steckt, wird manch einer, der sich regelmäßig in einer Sporthalle körperlich ertüchtigt, so vielleicht noch nie gesehen haben.

Doch das Prellen von Basketbällen, das Quietschen von Turnschuhen nach dem Dribbeln oder das Klackern von Tischtennisbällen auf der Platte – all das ist Klang. Und damit nach der Definition von Marina Sahnwaldt etwas, was man durchaus künstlerisch sehen kann.

Sahnwaldt ist die Initiatorin und künstlerische Leiterin eines Projektes, das demnächst die „charmante Liaison von Sport und Musik“ hörbar machen und auch visualisieren will. „Klangsport“ ist der Name der neuen Disziplin, die nicht das Höher, Schneller, Weiter zum Maßstab hat, sondern die Frage: Was passiert, wenn man Kunst und Sport zusammenbringt?

Die Regisseurin nennt den Musiker John Cage als Vorbild für ihr Projekt. Dieser habe in den 1920er Jahren die Stille in der Musik gesucht und dabei Klängen, die nebenher passierten, Raum gegeben. Daran hat sich Sahnwaldt erinnert, als sie das Konzept für „Klangsport“ entwarf: Der Sport wird auf das Hörbare konzentriert.

Drei Komponisten unterstützen Sahnwaldt bei ihren Vorhaben. Zum einen Stephan Froleyks, experimentierfreudiger Schlagzeugprofessor an der Musikhochschule, als zweites Blasinstrumentalist Markus Kuchenbuch, der eine Atemkakophonie mit Sportlern, die aus der Puste sind, entwickeln will, wie Sahnwaldt verrät. Und drittens Kai Niggemann , der Komponist und Fachmann für elektronische Musik, der nicht etwa Musik von außen hinzufügen, sondern gesammelte Geräusche verändern und per Mikrofon „überhöhen“ möchte.

Präsentiert werden soll all das am 24. April bei einer „Klangsportrevue“ live in der Sporthalle an der Lotharinger Straße. Und damit die Organisatoren bis dahin genug „Klangbausteine“ zur Hand haben, die Jan Sturmius Becker choreografieren und als Conférencier moderieren soll, benötigen sie die Hilfe münsterscher Sporttreibender.

Vier „Schnuppertrainings“ sind für Februar anberaumt, bei denen Interessierte ihre Ohren für den Sportklang schulen und selbst Rhythmen entwickeln sollen. Sahnwaldt und Niggemann hoffen auf 40 Akteure, die vielleicht auch Lust und Zeit haben, sich bei der „Klangsportrevue“ einzubringen.

Kai Niggemann jedenfalls hat sein Lieblingsgeräusch schon ausgemacht: „Die Sprungmatte ist ein total schönes Instrument. Vor allem dann, wenn man sie umschmeißt.“

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