Hochschule Münster
Planetologen entwickeln Messinstrument für Weltraum-Mission

Freitag, 03.04.2009, 13:04 Uhr

Münster - Das Ding im Plexiglaskasten thronte Donnerstag auf einem Tisch im Festsaal der Universität. Es heißt Mertis und hat wohl eine der längsten Reisen vor sich, die jemals unternommen worden sind. Mindestens 80 Millionen Kilometer ist der Merkur von der Erde entfernt. Wenn aber 2014 die Mission „BepiColombo“ der Europäischen Weltraumagentur ESA startet, wird die Ariane-5-Trägerrakete eine um ein Vielfaches längere Strecke zurückzulegen haben. Mindestens sechs Jahre wird das dauern. „Um zum Merkur zu kommen, muss die Rakete in verschiedenen Umlaufbahnen unseres Sonnensystems Schwung holen“, sagt Prof. Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie der Universität. Hiesinger und sein Team betreuen wissenschaftlich die Entwicklung des Instruments Mertis, das die Beschaffenheit der Gesteine auf dem Merkur analysieren soll.

11,4 Millionen Euro stellt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ( DLR ) den münsterischen Planetologen dafür für zur Verfügung.

Am Donnerstag war der Prototyp des Messinstruments erstmals zu sehen. Ingo Walter , Systemingenieur von Mertis bei der DLR in Berlin hatte das Gerät nach Münster gebracht, als die beteiligten Wissenschaftler die nächsten Schritte für die Entwicklung des Instruments erörterten.

Mertis hat erst seinen großen Einsatz, wenn es gemeinsam mit anderen zehn Instrumenten in der Trägerrakete Ellipsen etwa 400 Kilometer um den dem Merkur dreht. Etwa zwei Jahre lang wird analysiert, aus welchen Mineralien die Oberfläche des kleinen Merkur besteht. Wie der Nachbar der Sonne aussieht, ist von früheren Missionen, die aber nicht so nah an den Planeten heranführten, ist bekannt. „Welche Steine dort die kraterreiche Oberfläche bilden, weiß man aber nicht“, erklärt Planetologe Hiesinger. Von den Erkenntnissen erhoffen sich die Wissenschaftler nicht nur wesentliche Aufschlüsse über die Entstehung der Erde und des ganzen Sonnensystems. „Auch für Erforschung anderer Sonnensysteme könnte mit der Mission eine Grundlage gelegt werden“, blickt Ingo Walter in die Zukunft.

Insgesamt 60 Kilogramm dürfen alle elf Instrumente wiegen, die von der Ariane 5 bei der insgesamt etwa 900 Millionen Euro teuren Mission zum Merkur ins All transportiert werden. Mertis ist samt Optik, Sensortechnik, Stromversorgung und Computersteuerung ganze drei Kilo leicht.

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