Nachrichten Münster
"Ein Jahrhundertbauwerk": die neue Schleuse

Mittwoch, 15.04.2009, 22:04 Uhr

Münster - Nicht nur die Ausmaße der neuen Schleuse 1 am Dortmund-Ems-Kanal sind gigantisch - auch die Baukosten. 45 Millionen Euro wurden hier in den letzten vier Jahren verbaut, weitere 40 Millionen soll die Schleuse 2 kosten, deren Fertigstellung für 2013 geplant ist. Rechnet man die Kosten für Nebenanlagen und neues Pumpwerk hinzu, wird der Bund am Ende 130 Millionen Euro ausgegeben haben - 13 Millionen mehr als veranschlagt.

„Ein Jahrhundertbauwerk “, raunt Manfred Wendt , Geschäftsführer der Johann Bunte Bauunternehmung, bei der Einweihung des ersten Bauabschnitts am Mittwochmorgen voller Ehrfurcht. Er meint damit nicht nur die gewaltigen Ausmaße - nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts können in den beiden Kammern bis zu 185 Meter lange Schiffe gehoben und gesenkt werden. Er meint auch die Qualität der Anlage: „Die Betriebssicherheit ist für die nächsten 100 Jahre gewährleistet“, sagt Wendt und fügt, mit nachdenklichem Unterton, hinzu: „Die Schleusen werden uns alle überleben.“

Das Beste scheint gerade gut genug, wenn es darum geht, die Zukunft der Binnenschifffahrt in der Bundesrepublik zu sichern. 14000 Schiffe aus ganz Europa passieren pro Jahr Münsters Schleuse, an Bord sind Futtermittel, Öl und Gas, Schrott, Stahl, Maschinen. Wenn die Schleuse fertig und der Kanalausbau abgeschlossen ist, werden Schiffe von bislang nicht bekannter Größe zwischen Rotterdam und Berlin und von dort weiter zur Ostsee, nach Polen, theoretisch sogar bis nach Moskau verkehren können. „Die neue Schleuse“, sagt Wendt, „ist ein Stück Zukunft für Deutschland.“

Dennoch wird die Binnenschifffahrt von der Bevölkerung kaum wahrgenommen, bedauert Michael Wempe, Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion West. „Dabei ist sie unbestritten der sicherste, wirtschaftlichste und umweltfreundlichste aller Verkehrsträger.“ Aber auch einer, dessen Anteil an der gesamten Verkehrsleistung bei gerade mal zehn Prozent liegt. Mit dem Neubau der Schleuse, aber auch mit dem Ausbau der Stadtstrecke Münster ab 2010 und dem Neubau der Kanalüberführung in Gelmer sind nach seiner Einschätzung wesentliche Voraussetzungen für zukünftige Verkehrsverlagerungen gegeben.

Ihre Feuerprobe hat die Schleuse 1 übrigens schon bestanden - sie wurde bereits am 26. Februar in Betrieb genommen. Derweil haben nebenan, in der Schleuse 2, die Abrissarbeiten begonnen.

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