Nachrichten Münster
Studiengebühren: Keine Rückzahlung

Mittwoch, 22.04.2009, 19:04 Uhr

Münster - Gäbe es keine Studiengebühren , die Debatten in den Universitätsgremien wären nicht halb so erbittert und so ausführlich. Gestern Abend beherrschte das Thema erneut den Senat, genauer die Frage: Soll die Universität Münster allen Studenten, die Studiengebühren gezahlt haben, Geld zurückzahlen? Exakt ging es um den Betrag von 27,87 Euro, rechnete das studentische Senatsmitglied André Schnepper vor.

Der Grund; Die Universität habe 609 000 Euro der von den Studierenden eingezahlten Euro im laufenden Sommersemester nicht für die Verbesserung der Lehre ausgegeben. Außerdem wurden 183 000 Euro, wie die Universitätsleitung bereits vor Ostern eingeräumt hatte, nicht satzungsgemäß ausgeben, aber bereits auf das Studiengebührenkonto zurückgebucht. Verteilt auf alle Gebührenzahler mache dies den genannten Betrag aus, so Schnepper.

„Es geht darum deutlich zu machen, dass Geld nicht richtig verwendet oder gebraucht wurde“, ergänzte die AStA-Vorsitzende Ninja Schmiedgen . Sie witterte, dass hinter den unrechtmäßig verwandten Summen System stecken könnte. Dieses Geld wurde für die Möblierung von Institutsräumen ausgegeben. Dafür müsse es doch „Töpfe“ geben, so Schmiedgen, „früher haben die Leute doch auch nicht auf dem Boden gesessen“.

Kanzler Dr. Stefan Schwartze nahm die Schuld auf sich, Mitarbeiter nicht genau darüber informiert zu haben, wie mit dem Studienbeiträgen haushaltstechnisch umgegangen werden müsse. So etwas werde nicht mehr vorkommen, gelobte er Besserung, wies aber die Anschuldigung als absurd zurück, die Universität wolle ihren Haushalt mit dem Geld aus den Studiengebühren aufbessern. Dazu sei der Betrag gemessen am Gesamtvolumen sehr klein.

Senatsvorsitzender Prof. Janbernd Oebbecke warf den Studenten vor, die Debatte mit „unentschuldbarer Ahnungslosigkeit“ zu führen. Wenn neue Systeme wie Studiengebühren eingeführt würden, gebe es anfangs immer Pannen.

Der Physiker Prof. Gernot Münster konnte der Argumentation der Studenten ebenfalls nicht folgen: Die Studiengebührensatzung sehe nicht vor, dass jeder Student den exakten Wert des eingezahlten Geldes zurückerhalte, so Münster. Teilnehmer teurer Studiengänge wie Medizin zahlten ebenso 275 Euro wie zum Beispiel Jurastudenten. Auch bei anderen öffentlichen Abgabesystemen gelte nicht dieses Prinzip. Prorektor Prof. Jörg Becker gab zu bedenken, dass alle nicht ausgegebenen Mittel im darauffolgenden Semester, also durchaus zeitnah verwandt worden seien.

Die Abstimmung fiel deutlich aus: Nur drei Stimmen erhielt der Antrag der Studierenden, 16 Senatoren stimmten dagegen, vier Mitglieder enthielten sich der Stimme.

Der Streit um Studiengebühren wird möglicherweise bald unter anderen Vorzeichen geführt. Die von der Landesregierung eingesetzte Zukunftskommission, der auch der münsterische Historiker Prof. Hans-Ulrich Thamer angehört, hat angeregt, in Nordrhein-Westfalen die Studienbeiträge künftig nachgelagert zu kassieren (WN, 22,April). Das würde bedeuten, dass jeder erst nach Ende des Studiums zur Kasse gebeten wird. „Interessant“ raunte es bei dieser Nachricht im Senat.

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