Kultur Münster
Innerlich und äußerlich nackt

Sonntag, 10.05.2009, 18:05 Uhr

Münster - Eine Premiere auf dem Kleinen Bühnenboden . Das hatte es seit zweieinhalb Jahren nicht mehr gegeben. Nachdem die Gründerin des einzigen privaten Kammertheaters in Münster, Marianna Thalassinou, vor einem Jahr verstorben war, lag es in den Händen ihrer Kinder Maria Weyand und Georgios Weyand, die Familientradition fortzuführen. Als die Sophie in Peter Turrinis Stück „Die Rattenjagd“ übernahm Maria Weyand schließlich auch schauspielerische Verantwortung beim Neubeginn. Unter der Regie von Konrad Haller entstand eine modernisierte Fassung des Stücks, das 1971 Premiere feierte.

Die Protagonisten Sophie und Maximilian treffen sich zu ihrem ersten Rendezvous auf einer Müllkippe vor der Stadt. Ein neurotischer, von gesellschaftlichen Zwängen geplagter Maximilian, gespielt von Helge Salnikau, sieht nur einen Weg, Sophie ernsthaft kennenzulernen: Der Kulturdreck muss runter. Die Hülle soll fallen. Neben dem Inhalt ihrer Taschen, ihrer Haarteile und dem Zahnersatz entledigen sich die beiden auch eines Berges von gesellschaftlichen Konventionen. Innerlich und äußerlich nackt begegnen sie sich schließlich fernab der gelebten Entfremdung und lassen die unmöglich erscheinende Liebe zu.

Die Protagonisten seien auf der Suche nach der heute oft gebetsmühlenartig eingeforderten Individualität, sagt Regisseur Konrad Haller. So stellen sich die Protagonisten zu Beginn des Stücks steckbriefartig vor und übergehen dabei jegliche Information. „Ich komme aus . . . , bin . . . , Jahre alt und habe ein Lebensmotto“. Den Zuschauer hindert es nicht daran, die beiden Charaktere kennen zu lernen, während sie versuchen, sich gegenseitig näher zu kommen. Auf die Suche nach dem Kern ihres Menschseins gehen sie mit einer sehr präzisen Sprache, die von ihrer Metaphorik lebt. So hegt Maximilian, der auf der Müllhalde Autos zusammenschraubt, den Wunsch, Zwänge und Äußerlichkeiten zu überwinden, indem er „Menschen wie Autos auseinander nimmt“.

Ein spannendes Unterfangen, das durch die live gespielte Elektrogitarrenmusik von Krümmel einen zeitgemäßen Charakter bekommt.

» Weitere Vorstellungen am 15. und 16. Mai.

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