Nachrichten Münster
Hassan Kheite erklärt Münster auf Arabisch

Freitag, 29.05.2009, 05:05 Uhr

Münster . Neulich hat eine libanesische Zeitung Hassan Kheite angerufen. „Die fanden es bemerkenswert, dass ich in Wikipedia über Münster geschrieben habe“, sagt der 40-jährige Albachtener. Den Münsteranern dürfte das nicht aufgefallen sein, denn der Beitrag ist von rechts nach links und in verschnörkelten arabischen Schriftzeichen verfasst. Der ausführlichste Beitrag über eine Stadt, sagt Kheite stolz, den er im arabischen Wiki finden konnte.

Hassan Kheite und seine Frau Ohayla sind Palästinenser. Er wurde in Beirut geboren, kam mit 17 nach Deutschland. Wo ist seine Heimat? „Münster“, sagt er sofort, „In Beirut wollte man uns Palästinenser nicht haben.“

Auf 85 Seiten hat er einmal seine Jugend erzählt. Eine Geschichte von Flucht, Krieg, Gewalt. Auf einigen Bildern sieht man den schmächtigen Jungen in Trümmern spielen. Er berichtet vom Leben in den Flüchtlingslagern, von Bombenangriffen aus Israel und vom Bürgerkrieg der libanesischen Milizen. 1985 flüchtete seine Familie mit ihren sechs Kindern nach Deutschland, ins beschauliche Hopsten .

Der Oberschüler Kheite musste erst die Sprache lernen. Dann wurde er Chemielaborant, ist seit Jahren im Chemischen Landes- und Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt Münster (CVUA) tätig. Ohayla Kheite hat sich mit dem schicken Friseursalon Kokoon selbstständig gemacht. Vor vier Jahren wurde das Paar mit einem Schlag kinderreich: Die Drillinge Jul, Jad und Layla halten ihre Eltern seither ordentlich auf Trab.

Hassan Kheite schreibt mit Leidenschaft. Im libanesischen Internet-Forum Sawtak, das er moderiert, ist sein Pseudonym „Safir“. „Das heißt Botschafter“, sagt er. Und so fühlt er sich auch, wenn er in arabischer Sprache Wikipedia-Beiträge verfasst.

Eigentlich war er durch Zufall in das Online-Lexikon von und für jedermann geraten. „Jemand schlug vor, ich sollte mal etwas über die Luftwaffe schreiben“, lacht er. In Hopsten wohnte die Familie zwar nah am Fliegerhorst, aber das Thema fand er eigentlich langweilig.

Dann fing er an, den Beitrag über Münster zu übersetzen. Natürlich mit einigen Spezialitäten: Besonders erwähnt er die Moscheen in der Stadt. „Leute aus arabischen Ländern“, sagt Ohayla Kheite, haben ja schon Meer und Sonne, „wenn sie verreisen, dann zum Shoppen oder wegen der Kultur.“

In Albachten wohnen die Kheites in einer Multikulti-Umgebung. Die Nachbarn links sind Türken und Ungarn, die rechts Ukrainer. Einen Schrebergarten haben sie auch schon gepachtet - in der „Deutschen Eiche.“ „Da“, sagt Kheite, „hab ich gedacht, jetzt sind wir angekommen.“

Seit 1995 ist Kheite Deutscher, an Diskriminierung kann er sich kaum erinnern: „Früher in Hopsten bin ich aus einer Pizzeria geflogen. Der Wirt meinte, es wären zu viele Ausländer da.“ In Münster dagegen findet er es fast südländisch: „Eine richtig ausgelassene Atmosphäre.“

Wenn der Wikipedia-Botschafter sein arabisches Münster-Porträt abgerundet hat, steht das nächste Projekt schon fest: „Dann schreibe ich etwas über das Preußentum.“

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