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Ulrich Maidowski: von Kabul nach Leipzig

Münster - Als Dr. Ulrich Maidowski neulich den afghanischen Film „Drachenläufer“ sah, fühlte er sich in seine Jugend versetzt. „Das haben wir in Kabul auch gemacht, Drachen mit Glasscherben in den Leinen steigen lassen...

Sonntag, 24.05.2009, 05:05 Uhr

Münster - Als Dr. Ulrich Maidowski neulich den afghanischen Film „ Drachenläufer “ sah, fühlte er sich in seine Jugend versetzt. „Das haben wir in Kabul auch gemacht, Drachen mit Glasscherben in den Leinen steigen lassen.“ Wer fremde Windsegel abschnitt, dem gehörten sie.

„Wie bei Karl May war das“, lacht der Richter am Oberverwaltungsgericht , der gerade einen Karrieresprung vor sich hat. Vom Richterwahlausschuss (16 Justizminister, 16 Bundestagsabgeordnete und die Bundesjustizministerin) wurde der 50-Jährige an das Leipziger Bundesverwaltungsgericht gewählt.

Seltene Ehre: der letzte gewählte Münsteraner war 2003 Dr. Rüdiger Nolte. Diesmal wurde neben Maidwoski auch OVG-Richter Dr. Peter Wysk berufen.

Maidowski ist umzugserfahren. Die Familie zog nach Tokio, als er fünf Jahre alt war. Sein Vater unterrichtete Deutsch, Latein und Griechich an der Deutschen Schule. Und der Junge aus Walsrode (Niedersachsen) dürfte wohl heute noch auf 100 japanischen Gruppenfotos zu sehen sein. Er war damals strohblond.

Seine Pubertät erlebte er aber in Kabul: „Ein Paradies - alles was heute kaputt ist, war noch da.“ Die Familie wohnte mitten in der Stadt, die Kinder bummelten über die Basare, erlebten das Miteinander vieler Religionen. Ulrich Maidowski spielte in mehreren Kirchen die Orgel. Wenn er heute danach gefragt wird, sagt er, „Kabul, das war wirklich Heimat für mich“.

Das Abenteuer endete mit einem Putsch. Afghanistans König wurde von einem Verwandten verjagt. Die Maidowskis waren damals auf Urlaub - und kamen nicht zurück.

Ulrich Maidowski ging dann in Hannover zur Schule, studierte in Tübingen und Aix en Provence Jura und Philosophie: „Jura allein erschien mir zu öde.“ Er promovierte über das noch moderne Thema Frauenförderung und wurde Verwaltungsrichter in Aachen.

An sein erstes Verfahren erinnert er sich genau: Zwei verfeindete Nachbarinnen. Die eine hatte vor dem Wohnzimmerfenster der anderen eine Mauer errichtet. „Da kam kein Licht rein“. Beim Ortstermin saß der junge Richter oben auf der Mauer. Und das ist etwas, das er heute noch gerne tut. Ohne rote Robe Verfahren ergründen, Kontrahenten versöhnen. „Oft sind wir Moderatoren“, sagt er, „die Leute reden mit uns.“

Der Autor mehrerer Ratgeberbücher für juristische Laien urteilt seit zehn Jahren am münsterischen OVG. Zuletzt im 10. Senat, der sich mit Baurecht und Denkmalschutz befasst. Dem Reisen blieb er treu, gerade in jüngster Zeit hat er in Ungarn, Lettland und der Slowakei im Auftrag der Klaus-Kinkel-Stiftung über Europarecht doziert. Am Bundesverwaltungsgericht hofft er auf spannende Herausforderungen.

Dort geht es nicht selten um Großverfahren wie unlängst die Entscheidung über den Flughafen Schönefeld oder den Schießstopp auf dem geplanten „Bombodrom“ in Brandenburg.

Vorerst wird der mit einer Juristin verheiratete Vater von vier Kindern noch in Angelmodde wohnen bleiben. Sohn Ludwig muss sein internationales Abi am Paulinum machen. In Leipzig ginge das nicht.

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