Nachrichten Münster
Der Überzeugungstäter: Georg Hundt leitet Münsters Radstation

Montag, 15.06.2009, 14:06 Uhr

Münster - „Es sollte mein Ding werden, und es wurde mein Ding!“ So beschrieb Georg Hundt bei der Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen der Radstation seine Beziehung zu der anfangs umstrittenen Einrichtung. WN-Redakteur Klaus Baumeister sprach mit dem Mann, der Deutschlands größte Radstation leitet.

Herr Hundt, wie kam es dazu, dass Sie Betreiber der Radstation am Hauptbahnhof geworden sind?

Hundt: Ich war in den 90er Jahren Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in NRW. In dieser Funktion leitete ich ein Projekt, das hieß „100 Fahrradstationen für Nordrhein-Westfalen“. So gesehen waren mir die verkehrlichen, betrieblichen und wirtschaftlichen Aspekte von Radstationen an Bahnhöfen vertraut.

Münster war also der Praxistest?

Hundt: Nicht direkt. Als die ersten Pläne für den Bau am Hauptbahnhof auf den Tisch kamen, war mir sofort klar, dass Münster einen besonderen Stellenwert im Konzert der Radstationen haben würde. So richtig neugierig wurde ich aber erst, als ich hörte, dass es keinen ernst zu nehmenden Bewerber für den Betrieb der Anlage gab. Ich war konsterniert und fasste den Entschluss, mich beruflich neu zu orientieren. Ich bewarb mich als Betreiber.

Wie viele Radstationen aus Ihrem Programm wurden tatsächlich gebaut?

Hundt: Etwa 60, das ist schon eine ordentliche Quote.

Waren Sie vom Erfolg der Radstation in Münster überzeugt?

Hundt: Natürlich bin ich ein Risiko eingegangen. Aber mir war schnell klar, dass die Rahmenbedingungen stimmen. In den letzten drei Monaten vor der Eröffnung der Radstation haben wir bereits 600 Einführungstickets verkauft. Da wussten wir, dass es laufen würde.

Wie sieht es aktuell mit der Auslastung aus?

Hundt: Wir sind am Limit. Bei 3300 Stellplätzen fehlt uns bereits jetzt etwas Bewegungsfläche. Wenn 90 Prozent der Ständer belegt sind, fangen die Kunden an, ihre Fahrräder in den Gängen abzustellen.

Nennen Sie mal ein paar Zahlen!

Hundt: Wir haben 2500 Dauerkunden, 200 bis 250 Tageskunden, etwa 240 Mieträder, die am Wochenende manchmal sogar komplett vergeben sind, fünf Vollzeitarbeitsplätze, zwei Teilzeitarbeitsplätze und vier Aushilfen.

Als die Radstation 1999 eröffnet wurde, schien die Sanierung des Hauptbahnhofs eine Frage der Zeit zu sein. Haben Sie damals damit gerechnet, dass es noch so lange dauern würde?

Hundt: Rechnen konnte man damit nicht, aber erklärbar ist es. Die Bedeutung des Hauptbahnhofs für die Stadt Münster wurde über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt. Im Mittelpunkt der verkehrspolitischen Debatten standen die Parkhäuser, nicht der Bahnhof. Einen spürbaren politischen Druck an die Adresse der Bahn, endlich zu handeln, gibt es erst seit 2004/2005.

Stört es Sie, dass rund um die Radstation Fahrräder wild abgestellt werden?

Hundt: Nein, das stört mich nicht. Als Radfahrer bin ich Überzeugungstäter. Ich sage mir: Jeder, der mit dem Fahrrad zum Bahnhof fährt, fährt nicht mit dem Auto. Trotzdem haben wir am Bahnhof ein Problem, das schlicht aus der Masse der abgestellten Räder resultiert. Wenn Rettungsfahrzeuge am Bahnhof nicht vorfahren können, weil hier einfach zu viele Räder stehen, dann können wir das nicht ignorieren. Es kommt inzwischen auch vor, dass unsere Radstation zugestellt wird. Da muss es einen Weg geben, um ordnend einzugreifen.

Sie haben erklärt, dass Sie gern auch auf der Ostseite des Bahnhofs eine Radstation betreiben würden. Was ist der Stand der Dinge?

Hundt: Ich bin bei diesem Projekt nicht Herr des Verfahrens. Zunächst einmal muss die Bahn die Frage klären, wohin am Hauptbahnhof die Reise geht, sprich, wie es mit der Sanierung aussieht. Bei münsterischen Kommunalpolitikern stößt die Idee einer zweiten Radstation auf Sympathie. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Bedarf gibt es sicherlich auch. Aber die Hürde besteht darin, dass als Standort für die Radstation nur Flächen in Frage kommen, die sich im Eigentum der Bahn befinden. Ich kann also nur auf einen Zug aufspringen, wenn ihn die Bahn in Bewegung setzt.

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