Nachrichten Münster
„Der entsorgte Vater“: leidenschaftliche Diskussion

Münster - Douglas Wolfsperger sieht nicht aus wie jemand, der sich entsorgen lässt. Eher wie ein ganzer Kerl von einem Filmemacher, der mit beiden Beinen im Leben steht und es nicht nötig hat, sich bei irgendwem anzubiedern...

Samstag, 11.07.2009, 16:07 Uhr

Münster - Douglas Wolfsperger sieht nicht aus wie jemand, der sich entsorgen lässt. Eher wie ein ganzer Kerl von einem Filmemacher, der mit beiden Beinen im Leben steht und es nicht nötig hat, sich bei irgendwem anzubiedern. Umso stärker, wenn jemand mit diesem Auftreten um Fassung ringt. „Hallo Douglas“, steht in kunstvoller Kinderschrift auf dem Blatt Papier, das er in die Kamera hält. Es ist ein Brief seiner kleinen Tochter. Darin steht weiter, dass sie ihn nicht mehr mag und nicht mehr wiedersehen will.

In diesem Moment ist es im großen Kinosaal des Cinema noch ein bisschen stiller. Und es ist ohnehin schon sehr still; als das Licht angeht, haben etliche Zuschauer Tränen in den Augen. Beifall für den Regisseur. Gibt es Fragen?

Und ob. Douglas Wolfsperger stellt im Programmkino an der Warendorfer Straße seinen Film „Der entsorgte Vater“ vor (WN, 10.7.). Eine Dokumentation über fünf Väter, denen nach der Trennung von ihren Partnerinnen der Umgang mit den gemeinsamen Kindern verwehrt wird. Der Film hat bundesweit ein gewaltiges Echo ausgelöst. Und Douglas Wolfsperger, selbst ein „entsorgter Vater“, ist ein gefragter Mann geworden, der sich im ganzen Land der Diskussion stellt. Ein Zuschauer erwähnt, dass er 160 Kilometer nach Münster gefahren sei, um Film und Regisseur zu sehen.

Die Veranstalter haben mit kontroversen Stimmen gerechnet. Es gibt durchaus kritische Bemerkungen, aber keinen wirklich heftigen Widerspruch. Mehrere Zuschauer und Zuschauerinnen bedanken sich ausdrücklich dafür, dass Wolfsperger das Thema aufgegriffen habe, viele geben sich als Betroffene zu erkennen. Einige berichten von ihrem eigenen Schicksal, die Diskussion wird zum öffentlichen Bekenntnis, Wolfsperger hat einige Mühe, daran zu erinnern, dass es hier doch eigentlich um etwas anderes geht: „Ich bin heute Abend da, um meinen Film vorzustellen.“ Doch das Thema hat sich offenbar längst verselbstständigt.

Es scheint sich um ein Massenphänomen zu handeln: Wolfsperger verweist auf Zahlen des statistischen Bundesamtes. Demnach wird jährlich ungefähr 100000 Trennungskindern vom betreuenden Elternteil der Kontakt mit dem jeweils anderen Elternteil verwehrt. Fast immer sind es die Väter, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Manche wollen vielleicht auch gar nicht. Aber viele eben doch.

Ein Zuschauer gibt sich als Familienrichter zu erkennen, was ihm sofort ungeteilte Aufmerksamkeit beschert. Er bittet darum, nicht so sehr zu polarisieren; er kenne auch Fälle „entsorgter“ Mütter. Fakt sei allerdings, dass bei Trennungen in den meisten Fällen den Frauen das Sorgerecht zugesprochen werde.

Frauen kommen in Wolfspergers Film nur wenig zu Wort. Das ist ihm immer wieder vorgeworfen worden, und es wird auch im Cinema angemerkt. Es sei ihm nicht möglich gewesen, beide Seiten zu berücksichtigen, sagt er. Die betroffenen Mütter hätten jede Mitwirkung abgelehnt.

Eine junge Frau meldet sich aber doch tief bewegt zu Wort, zumindest hier im Kinosaal. Zehn Jahre lang habe sie ihren Vater nicht gesehen - und erst nach der Wiederbegegnung mit ihm gemerkt, dass sie zwischen den Positionen von Mutter und Vater eine eigene Wahrheit finden musste. „Lassen Sie den Mut nicht sinken“, rät sie allen „entsorgten Vätern“ im Kino.

Es gibt viel Beifall. Und einen mehrheitsfähigen Dank an Douglas Wolfsperger: „Ihr Film war bitternötig!“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/513672?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597181%2F696364%2F
Starkoch Marquard will Kindern Lust auf gutes Essen machen
Sterneküche in der Schule: Starkoch Marquard will Kindern Lust auf gutes Essen machen
Nachrichten-Ticker