Nachrichten Münster
Zum Kaffee an die Nordsee

Freitag, 24.07.2009, 11:07 Uhr

Münster / Telgte - Langsam nimmt die Cirrus 20 Fahrt auf, wird immer schneller und erhebt sich dann in den Himmel. André Krabbe sitzt am Steuer der Motormaschine und hält in der Hand das Steuerrad. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus: Es ist gar kein Steuerhorn, wie in der Fachsprache der Steuerknüppel heißt, sondern eher eine Art Joystick. Und auch wo man normalerweise haufenweise Armaturen erwartet, sind nur zwei große Computerdisplays angebracht.

„Das hat aber alles seine Richtigkeit“, lacht Krabbe, der erste Vorsitzende des Vereins „Motorflug Münster“, während es in Richtung Westfalenmetropole geht. Der Verein Motorflug Münster, der auf dem Flugplatz Telgte ansässig ist, kann auf eine lange Tradition zurückblicken - und hat sich bereit für die Zukunft gemacht. „Wir wurden in den 60ern gegründet und haben heute einen der modernsten Flugzeugparks Europas“, erklärt Krabbe nicht ohne Stolz.

Dazu gehören insgesamt fünf Flugzeuge, die von den rund 110 aktiven Fliegern im Verein genutzt werden können. Das älteste Flugzeug stammt aus dem Jahr 1980 und wird als Lernmaschine genutzt. Die anderen Maschinen, eine weitere Cirrus aus dem Jahr 2007 und die beiden Cessnas aus 2004 und 2003, sind der Stolz des Vereins.

„Gerade die Cirrus SR 20, mit der wir gerade fliegen, ist ein Musterbeispiel für die modernen Flugzeuge“, lacht Krabbe. Denn nicht nur, dass es keinen „Uhrenladen“, wie die Armaturentafel liebevoll von den Fliegern genannt wird, mehr gibt: Der Rumpf des Flugzeuges besteht aus Kunststoff.

Die Sicherheitsstandards seien enorm, erzählt Krabbe. „Das Flugzeug hat am Heck eine Rakete, die im Notfall abgefeuert wird“, so der Vorsitzendes des Motorflugclubs. Daran sei ein Lastenfallschirm befestigt. „Vier Stahlseile, die im Rumpf verspannt sind, reißen dann heraus und die Maschine sinkt am Fallschirm zu Boden.“

Dabei räumt Krabbe auch mit einem Vorurteil auf. „In der Motorfliegerei gibt es für die Passagiere keine Fallschirme - das gehört in den Segelflugbereich.“

Eine weitere Neuerung ist das Abschaffen des klassischen Armaturenbrettes. „Die Bildschirme, die anstelle der verschiedenen „Uhren“ eingebaut sind, haben eine großen Vorteil: Man hat alle Informationen gleichzeitig auf einem Schirm und muss nicht erst verschiedenen Instrumente ablesen“, so Krabbe, während Telgte unter der Maschine auftaucht. Dazu komme, das man auch die Informationen zwischen den verschiedenen Bereichen des Displays verschieben könne. „Das musste der Pilot früher alles im Kopf machen.“

Krabbe selber hat den Flugschein schon lange. „Es war ein Jugendtraum: Dann bin ich am Flugplatz vorbeigekommen, habe nachgefragt und bin das eine oder andere Mal mitgeflogen - und dann hatte ich den Schein.“ Wer fliegen will, muss allerdings Zeit mitbringen. „Es dauert rund ein Jahr, bis man seinen Flugschein bei uns im Verein machen kann“, so der Vorsitzende. Doch dann habe man etwas Besonderes. „Der Pilot sieht die Welt mit ganz anderen Augen - allerdings begreifen wir die Fliegerei nicht nur als Hobby, sondern auch als Transportmittel.“ Daher sei es vollkommen normal, wenn die Mitglieder einmal am Wochenende an die Nordsee fliegen oder auch einmal nach Venedig. „Ich brauche rund eine Stunde bis nach Helgoland - da kann man auch schon einmal zum Kaffeetrinken und Sonnenbaden auf die Nordseeinseln fliegen - mit dem Auto schafft man das eben nicht an einem Tag.“

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