Hochschule Münster
Warum Nachwuchs-Akademiker in Studenten-Verbindungen leben

Donnerstag, 27.08.2009, 11:08 Uhr

Münster - „Zimmer, günstig, zentral, an katholischen, männlichen Studenten zu vermieten“: Inserate wie dieses sprechen viele Studenten an - nicht erst, seit es Studiengebühren gibt. Bei Bernhard (27) war es dringend: „Gerade aus Guatemala zurück, stand ich mit Schlafsack unterm Arm in Münster und brauchte schnell ein Zimmer.“ Der Lehramtsstudent, der mit Dreitagebart und Sommerbräune eher an Strandurlaub als an das Klischee eines Verbindungsstudenten erinnert, ist so Mitglied beim nichtschlagenden „Verein deutscher Studenten“ (VDSt) geworden.

Dass es nach wie vor viele Klischees über Verbindungen gibt, erklärt sich Robert (22) von der nichtschlagenden Alsatia so: „Der Begriff Verbindung schreckt viele ab. Aber wenn Interessenten erstmal hier sind, merken sie schnell, dass diese Klischees nicht auf uns zutreffen. Wir sind ganz normale Studenten.“

Der junge Mann mit rahmenloser Brille erläutert, dass Verbindung lediglich ein Überbegriff sei. Es gebe schlagende - wie Burschenschaften , Corps oder Landsmannschaften, bei diesen die Mensur, das Fechtduell, Bestandteil der Verbindungstradition ist. Aber auch nichtschlagende, gemischte und Damenverbindungen.

Stefan (21) hat sich mit den Unterteilungen nicht ausein­andergesetzt, als er in eine katholische Verbindung zog. Ausschlaggebend war für ihn die geringe Miete. Sein Fazit: „Meine Vorurteile über Verbindungsleute habe ich revidiert, das sind echt ganz normale Jungs. Aber mir war das zu wenig Privatsphäre, andauernd alles gemeinsam machen ist nichts für mich.“

VWL-Student Lennart (23), der im zweiten Semester über Studienkollegen zu den Alsaten gestoßen ist, fühlt sich dort wohl. Die Stimmung im Haus sei locker, beim gemeinsamen Mittagessen flachsen die Alsaten herum und unterhalten sich über die Prüfungen. Mit dabei ist Julia (19), die sich den Teller mit Buletten und Spätzle füllt. Mädchen sind im Alsatenhaus willkommen, dürfen auch über Nacht bleiben. Ereignisse wie die sogenannte Kneipe und die Konvente sind jedoch ausschließlich für Aktive, Ehemalige, Alten Herren und männliche Gäste.

Eine Verbindung ist trotz aller Lockerheit keine Groß-WG: Wer fest in eine Verbindung eintritt, geht einen Lebensbund ein, man verpflichtet sich, Verantwortung zu übernehmen, an Veranstaltungen wie Gottesdiensten, Vorträgen und Feiern teilzunehmen und der Verbindungsgemeinschaft zu helfen. „Aber genau das schweißt zusammen - wir unterstützen uns gegenseitig“, erzählt Lennart.

Fest steht: Man muss sich mit der Gruppe und den Traditionen identifizieren, günstige Miete und freie Zimmer sind positive Nebeneffekte, stellen aber nicht den Kern des Verbindungslebens dar. Alsatia wünscht sich Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen und auch eine heterogene Meinungslandschaft, so Robert: „Das fördert und regt Diskussionen an“. Er räumt ein, dass man einen „Faible für Traditionen“ haben solle. Damit haben die Alsaten Lennart und Robert keine Probleme. „Das ist hier ein Lebensbund, ich weiß, dass ich die Jungs hier, so Gott will, auch in 50 Jahren wiedertreffen kann“, schwärmt Lennart. Und diese gemeinsame Basis schweiße zusammen.

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