Kultur Münster
Der kleine Moment der Veränderung

Münster - Lange bevor Sebastian Schipper eine „sehr freie Adaption“ von Goethes Roman Wahlverwandtschaften auf 35 Millimeter drehte, hatte er für sich herausgefunden, „ganz und gar kein Goethe-Fan“ zu sein und war - das gesteht er heute - voller...

Sonntag, 02.08.2009, 16:08 Uhr

Münster - Lange bevor Sebastian Schipper eine „sehr freie Adaption “ von Goethes Roman Wahlverwandtschaften auf 35 Millimeter drehte, hatte er für sich herausgefunden, „ganz und gar kein Goethe-Fan“ zu sein und war - das gesteht er heute - voller Goethe-Vorurteile. „Dass mich das Buch so anspricht, war für mich sehr überraschend“, bekennt der Regisseur und Drehbuchautor, der in seinem dritten Film „Mitte Ende August“ die Thematik eben dieses Klassikers neu aufnimmt.

Gelesen hatte der Filmemacher den Roman von 1809, weil er ein Buch lesen wollte, dass geschrieben wurde, bevor es Filme gab. „Ich glaube, dass viele Romane von filmischen Strukturen stark beeinflusst werden“, begründet er diese Absicht.

Erstaunlich findet er, dass der Mensch 200 Jahre der Befreiung, der Aufklärung und Selbstbestimmung hinter sich hat und dass sich trotzdem die gleiche Geschichte noch einmal erzählen lässt - eine Geschichte der Liebe und der gleichzeitigen Sehnsucht nach etwas anderem, der Unentschlossenheit bei der richtigen Partnerwahl und den vielen Versuchungen.

Kein Stativ. Keine digitale Bearbeitung. Keine Ausleuchtung. Einige Szenen wirken so echt, dass man meinen könnte, sie seien aus einem Dokumentarfilm. Kaum zu glauben, dass nicht ein einziges Wort improvisiert ist. „Ich wollte alles nicht zu sehr ausdefinieren. Ich wollte einen leichten, unbeschwerten, offenen Sommerfilm. Ich wollte, dass er unmanipuliert bleibt, dass er etwas Lyrisches hat, was auch Amateuraufnahmen haben“, beschreibt Schipper das, was er braucht, um aus dem Zuschauer den stillen Beobachter zu machen.

Schipper legt in „Mitte Ende August“ Wert auf die ganz kleine Veränderung, mit der etwas Großes beginnt. „Alles entsteht in einer allerersten Regung, in einem ganz, ganz kleinen Moment der Veränderung“, betont Schipper. Wahrscheinlich ist der Film deshalb keiner der ihn selbst überwältigt, „sondern ein leiser“. Schipper, der schon mit Schauspielgrößen wie Daniel Brühl und Jürgen Vogel drehte, muss trotzdem noch entwaffnet lächeln, wenn man ihn nach Routine fragt. Die habe sich noch immer nicht eingestellt, gibt er dann zu und ergänzt: „Das Schwierigste bei meiner Arbeit ist das Drehbuchschreiben, das Wichtigste ist nicht Routine, sondern Hingabe.“

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