Kultur Münster
Installation mit Spaßfaktor

Münster - Die fast museale Carrerabahn in der „Black Box“ ist eine Augenweide. Nicht nur für Verfolgungsfetischisten. Das gute Stück, von den Künstlern Reto Casutt und Oliver Breitenstein in zweimonatiger Arbeit feinsäuberlich entstaubt und...

Dienstag, 18.08.2009, 15:33 Uhr

Münster - Die fast museale Carrerabahn in der „Black Box“ ist eine Augenweide. Nicht nur für Verfolgungsfetischisten. Das gute Stück, von den Künstlern Reto Casutt und Oliver Breitenstein in zweimonatiger Arbeit feinsäuberlich entstaubt und restauriert, ist nicht nur Installation mit Spaßfaktor, sondern auch eine Reminiszenz an alte Zeiten, als geschwindigkeitsbegeisterte Jungen, deren Väter und selten auch mal Mädchen echte, handtellergroßen Plastikflitzer über die dunkle Plastikbahn jagten. Die Besucher können diese nicht virtuelle Bahn ein paar Tage lang nun für einen Euro pro Rennen selbst bespielen und so ein bisschen gepflegten Verfolgungswahnsinn erleben.

An der Wand flimmern packende Szenen aus alten Actionfilmen. Es wird verfolgt, was das Zeug hält. Denn darum geht es in den aktuellen Installationen zum Thema „Verfolgungsjagd“ im Cuba-Cultur - um den Nervenkitzel einer solchen, den Spaß am Entwischen. Selbstverständlich ganz ohne eigenes Risiko, in entspannter Atmosphäre und mit einem kühlen Getränk von der Pisten-Bar im Keller („Spoken Word“-Artist Andreas Weber lehnt lässig hinter dem improvisierten Tresen).

Eine Generation jünger ist das nicht minder historisch wirkende Computerspiel „Test Drive“, das auf dem „Commodore 64“, einem Personal-Computer aus grauer Vorzeit, für simuliertes Fahrgefühl sorgte und nun im Keller zu bespielen ist. Heute fährt es sich recht ruhig und fast verkehrskonform mit diesem Programm-Opa. Weil „Verfolgungsjagd 2.0“ genreübergreifend Künstler ins Cuba bringt, hängt im Foyer schwarz auf weiß, mit ein paar freundlichen Grautönen aufgepeppt, ein großformatiger Comicstrip. Die Verfolgung und anschließende Festnahmen inklusive Verurteilung eines Sprayers gibt es hier in expressiven Bildern zu sehen.

Der eine sammelt Trockenblumen, der andere hat ein Poesiealbum. Ruppe Koselleck hat einige Alben mit seiner Sammlung von Stickern aus Münster bis Magdeburg beigesteuert. Unter die Aufkleber, die er eigenhändig von Laternen abknibbelt, hat er Fundort und Datum notiert. So gibt es in Münster einen Unbekannte, der nächtens statt zu sprayen „Gespenster“ auf Laternen und hinter Schilder klebt.

Einige namhafte Vertreter der lokalen „Poetry Slam“- Szene (Tobias Kunze, Andy Strauß, Andreas Weber, Marian Heuser, Oliver Steinhoff und Andy Substanz) haben Texte zum Thema „Verfolgungsjagd“ in einem Bändchen „Zettelwirtschaft“ zusammengefasst. Street Art und Sprayer lassen sich ebenfalls sehen und steuern leere Farbdosen sowie grell verzierte T-Shirts bei.

» Die interaktive Installation „Verfolgungsjagd 2.0“ ist im Cuba-Cultur, Achtermannstraße 12, bis Donnerstag täglich von 19 bis 23 Uhr zu sehen und zu bespielen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/456957?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597181%2F696363%2F
Familie kämpft gegen Schimmel in gemietetem Haus
Klaus Baveld von „Menschen in Not“ begutachtet den Schaden.
Nachrichten-Ticker