Nachrichten Münster
Gysi macht Werbung für den „Störfaktor“

Sonntag, 23.08.2009, 19:29 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 23.08.2009, 19:29 Uhr

Münster - Die ersten Buh-Rufe konterte Gregor Gysi bei seinem Gastspiel in Münster locker: „Ich find das vollkommen richtig. Einer muss ja buhen - wir sind schließlich in Münster, gucken Sie sich die letzten Wahlergebnisse an. Ich hab mich schon gefragt, wo der ist.“

Pünktlich am Samstag um 12 Uhr war Gysi am Prinzipalmarkt erschienen. Nachdem zunächst Bundestagskandidat Hubertus Zdebel und der Spitzenkandidat für den Rat, Raimund Köhn, das Wort hatten, und auf der Lastwagenbühne recht rustikal „Imagine“ oder „Blowing in the wind“ auf der Gitarre erklangen wurde es nun schlagartig aufgeregter. Kameras klickten, als der Polit-Profi auf die Bühne trat, das Mikro justierte: „Sie haben einen seltenen Vorgang erlebt“, scherzte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag : „Ich musste das Mikrofon ein wenig höher stellen.“

Augenzwinkernd war hier und da seine Rede, doch war Gysi nicht gekommen, um zu plaudern, sondern um in einem Rundumschlag alle wichtigen Themen der Linken anzureißen. Genau eine Stunde lang sprach er zu den 250 (Polizeischätzung) beziehungsweise 400 bis 500 (Parteischätzung) Anhängern. Weg mit Hartz IV, keine Rente mit 67, Mindestlohn von zehn Euro und raus aus Afghanistan, so nur einige der Forderungen der Linken.

In Rage redete sich Gysi, wenn es um den Bundeswehreinsatz am Hindukusch ging. „So lange an Krieg verdient wird, wird es auch Krieg geben“. Oder das Thema Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen. „Wenn ein sozialdemokratischer Kanzler für irgendwas hätte sorgen müssen, dann dafür, dass auch Kinder von einkommensschwachen Eltern studieren können“, sagte er mit Blick auf die Regierungszeit von Gerhard Schröder. Szenenapplaus und Gelächter gab es immer dann, wenn der Fraktionschef der Linken sich selbst auf die Schippe nahm, Zwischenrufe gab es wenige.

Immer wieder appellierte Gregor Gysi an die Zuhörer, bei den anstehenden Wahlen ihr Kreuzchen bei der Linken zu machen. „Wir sind der Störfaktor im Bundestag“, sagte der streitbare Politiker. „Die anderen reagieren allergisch auf uns, weil wir dieses Spiel nicht mitmachen.“ Die anderen, das sind natürlich CDU, SPD, FDP und Grüne, von denen sich Gysi immer wieder deutlich abgrenzte.

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