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Schöner wohnen, weniger streiten

Münster - Mit der Tat bekam ihre Arbeit eine „erschreckende Aktualität“. Anne Haarmann beschäftigte sich bereits seit Monaten mit dem Haus der Wohnungslosenhilfe in Münster (HdW), als dort Ende August zwei junge Männer einen Mitbewohner anzündeten...

Dienstag, 22.09.2009, 23:09 Uhr

Münster - Mit der Tat bekam ihre Arbeit eine „erschreckende Aktualität “. Anne Haarmann beschäftigte sich bereits seit Monaten mit dem Haus der Wohnungslosenhilfe in Münster (HdW), als dort Ende August zwei junge Männer einen Mitbewohner anzündeten. Er habe zu viel geredet, so die Begründung der mutmaßlichen Täter. „Mein Konzept kann Vorfälle wie diesen vielleicht nicht verhindern“, sagt die Absolventin des Fachbereichs Architektur an der Fachhochschule Münster . „Aber zumindest Aggressionen reduzieren.“

Für ihre Abschlussarbeit nahm sich die 27-Jährige der Probleme an, die in der baulichen Struktur der Notunterkunft begründet liegen. Herausgekommen ist laut Pressemitteilung ein Entwurf, der auf die Bedürfnisse der Wohnungslosen und Beschäftigten im Haus zugeschnitten ist.

Viele Male besuchte Haarmann das HdW, sprach mit den Mitarbeitern und den ausschließlich männlichen Bewohnern. „Enge prägt das Leben hier“, berichtet die frischgebackene Architektin. Die Wohnungslosen sind in Mehrbettzimmern untergebracht. Persönlicher Freiraum sei da nicht gegeben. „Dabei muss eine Notunterkunft die vielschichtigen Probleme von Menschen ohne feste Bleibe auffangen“, sagt Haarmann und verweist auf die psychologische und therapeutische Wirkung, die Architektur haben kann. „In einer schönen und funktionalen Umgebung verhält man sich anders.“

Haarmanns Entwurf sieht daher etwa Ein- bis Zweibettzimmer, helle Flure und Barrierefreiheit vor. Ein individuelles Leitsystem erleichtert die Orientierung auch für die Bewohner, die nicht lesen können oder kein Deutsch sprechen. „Architektonisch wie städteplanerisch eine optimale Lösung“, lobt Prof. Johannes Schilling, der als Hochschullehrer für Architektur die Arbeit betreute. „Das Gebäude fügt sich in die Umgebung ein, präsentiert sich zugleich aber frech und selbstbewusst vor allem durch seinen ungewöhnlichen Aufbau.“

Und auch Prof. Dr. Joachim Gardemann, der ebenfalls die sogenannte Masterthesis betreute, betont die Bedeutung der Arbeit der jungen Architektin: „Man muss nicht in exotische Länder reisen, um Elend zu erleben.“ Ein Blick vor die Tür genüge. Deshalb besucht der Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe an der Fachhochschule regelmäßig mit Studierenden das HdW. Der Mediziner war es auch, der den Kontakt zwischen Haarmann und Bernd Mülbrecht herstellte. Der Leiter der Notunterkunft ist von dem Modell und einem Begleitbuch, das Haarmanns ausführliche Recherchen zusammenfasst, überzeugt: „Bisher handelt es sich zwar nur um einen Entwurf, sicher wird er aber Diskussionen in Gang setzten.“

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