Nachrichten Münster
Nobelpreisträger Domagk war Lebensretter für Millionen

Freitag, 02.10.2009, 08:10 Uhr

Münster - Kein Nobelpreis für „ Reichsdeutsche “, ordnet Adolf Hitler 1937 an - zu groß das Desaster für das nationalsozialistische Regime, als dem Pazifisten und „Weltbühne“-Herausgeber Carl von Ossietzky kurz zuvor trotz aller Interventionen der Friedensnobelpreis zuerkannt worden war. So durfte auch der in Münster habilitierte Professor Gerhard Domagk den Medizin-Nobelpreis nicht annehmen, der ihm vor genau 70 Jahren zugesprochen wurde. Seine damit gewürdigte Entdeckung, die antibakterielle Wirkung des Farbstoffs Prontosil, sowie spätere Forschungsergebnisse retteten Millionen Menschen das Leben - er selbst ist heute weitgehend vergessen.

„Am 26. Oktober 1939 wurde ich um Mitternacht wegen eines dringenden Telegramms aus dem Bett geschellt“, erinnert sich Domagk später: Die erste offizielle Nachricht über die Ehrung aus dem schwedischen Karolinska-Institut. „Weder in der Presse, noch im Funk gab es eine Information über die Nobelpreisverleihung“, so Domagk - in Deutschland habe davon kaum jemand erfahren, Glückwünsche kamen vor allem aus dem Ausland.

Dass sich Domagk trotz des Verbotes schriftlich für den Preis bedankt, bringt ihn für kurze Zeit ins Gefängnis. 1947 schließlich, zehn Jahre nach Hitlers Erlass, überreicht der schwedische König Gustav V. die Urkunde und die goldene Medaille an Domagk - ohne das Preisgeld in Höhe von 100 000 Reichsmark. Die Summe war gemäß den Bestimmungen inzwischen an die Stiftung zurückgefallen.

1895 wurde Domagk im brandenburgischen, heute polnischen Dörfchen Lagow geboren. Als Sohn eines Rektors verlebte er eine nach eigenen Angaben idyllische Kindheit. 1914 legte Domagk sein Abitur ab, nahm ein Medizinstudium in Kiel auf - und meldete sich mit Kriegsausbruch als Freiwilliger. In Polen wurde er noch im selben Jahr verwundet, nach einer Ausbildung zum Sanitäter kehrte er bald an die Ostfront zurück.

Sein Mentor Walter Gross nimmt ihn 1925 nach Münster mit, als er an die dortige Universität berufen wird. Domagk forscht in der neuen Abteilung für Experimentelle Pathologie und lehrt als Privatdozent.

Die Bezahlung ist schlecht. Da kommt das Angebot der I.G. Farben gerade recht: Domagk wird gebeten, im Elberfelder Werk ein Institut für Experimentelle Pathologie zu errichten und zu leiten. Er nimmt an, hält aber weiter Vorlesungen in Münster. In Elberfeld macht Domagk seine Entdeckungen, die seinen Ruhm als Bakteriologe und Pathologe begründen.

Zum Ende der 1940er Jahre fand der Forscher schließlich mit Conteben die erste wirksame Arznei gegen die Infektionskrankheit Tuberkulose.. „Das Tuberkulosemedikament war seine wichtigste Leistung“, meint Prof. Ekkehard Grundmann, Vertrauter Domagks und Autor seiner Biografie. In der Hautklinik Hornheide gelang Domagk 1946 die weltweit erste Heilung einer Tuberkulose.

Als Domagk 1964 im Alter von 69 Jahren starb, war er ein hochdekorierter Wissenschaftler: Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Lauheide.

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