Kultur Münster
Architektur im Zwielicht

Dienstag, 08.12.2009, 16:12 Uhr

Münster - Zwielicht klingt unmoralisch, Zwieback nicht. Dabei sind beide doppelt. Letzteres wird gebacken. Ersteres bedeutet im Altdeutschen völlig harmlos „Licht aus zwei Quellen“. Daran ist erstmal nichts Zwielichtiges. Und daher sind die vier dekorativen Lichtzeichnungen von Nikola Dicke weder düster noch halbseiden.

Im Gegenteil: Die Ritze und Schraffuren in Ruß auf Kaminglas lassen ein Licht durch, das auf den Wänden des Foyers samtig schimmernde Flecken entstehen lässt. Als Motive hat sich die ehemalige Studierende der Kunstakademie Münster Architektur aus der Umgebung der Städtischen Bühnen ausgesucht. Sie zeichnet das Umfeld in Licht nach.

Da sich im Gebäude-Rhythmus des Foyers Wand und Fenster abwechseln, könnten die Muster Schatten von draußen sein, wenn sie nicht Licht wären. Dickes Arbeit spielt hier mit Licht und Struktur des Innen- und Außenraumes, woraus sich eine Reihe von reizvollen Bezügen zu den Nachbargebäuden ergeben.

Zu sehen sind daher die markante Fassade des gegenüberliegenden Volksbank-Gebäudes, die Apostelkirche, die schrägen Betonskulpturen von Thomas Lenk und die Ruine des Romberger Hofes.

Auf der Balustrade dieser Lichtzeichnung ist eine Figur zu sehen, die eingefleischte Münsteraner an Annette von Droste-Hülshoff erinnern könnte. Die Künstlerin selbst hat dabei nicht an die Dichterin gedacht. Wer allerdings seine Ausstellung „Zwielicht“ nennt, darf sich nicht wundern, wenn Gäste Gespenster sehen . . .

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