Kultur Münster
Ein Wirbelwind an der Panflöte

Montag, 28.12.2009, 16:12 Uhr

Münster - Die Panflöte ist ein Außenseiter im klassischen Konzertbetrieb. Folklore und Seichtes traut man ihr landläufig oft nur zu. Matthias Schlubeck kokettiert deshalb gern damit, dass er der erste deutsche Panflötist mit Konzertexamen ist. Für die Dominikanerkirche hatte er vor allem schöne, eingängige Musik ausgewählt. Begleitet vom Organisten Ludger Janning breitete er einen bunten Strauß schöner Musik aus - immer klangvoll, immer virtuos.

Da es kaum Originalkompositionen für sein Instrument gibt, blies er überwiegend Bearbeitungen. Und die hatte er allesamt auswendig drauf. Schlubeck stand oben neben der Orgel über dem Eingang der Kirche, die Stühle der Zuhörer zur Orgel hin ausgerichtet. Konzentriert, fast andächtig lauschte das Publikum. Nach jedem Werk dankte es mit herzlichem Beifall. Viele langsame Sätze und viel Gefühl hatte Schlubeck im Programm. Da er aber technisch wirklich fit ist, ein Wirbelwind an der Panflöte, kamen die schnellen Sätze mindestens ebenso glatt und sicher rüber.

Telemann, Bach, Händel gab es im barocken Teil - der zweite, langsame Satz aus Mozarts Oboenkonzert (KV 314) leitete über zu den romantischen Werken. Auch dieser Mozart klang bereits überraschend romantisch. Doch kurz bevor es allzu klebrig wurde, zog Schlubeck stets geschickt die musikalische Notbremse und zog sich eher schlicht heraus.

Jean-Claude Mara war vertreten mit zwei Werken, beide im Original für die Panflöte geschrieben. Das „Poème Adagio“ ist ein kleines, gefühlsseeliges Gedicht für Panflöte und Orgel, immer ein bisschen die Grenze zwischen sogenannter ernster Musik und Salonmusik auslotend. Schlubeck hatte hörbar Spaß daran, diese Grenze zu ignorieren, und Ludger Janning ließ die Orgel dazu schnurren. Überhaupt registrierte Janning geschickt und flexibel (aber immer recht romantisch), sodass die Flöte nie von der Orgel verdeckt wurde, trotzdem klang die Orgel nie schmächtig.

Die „Reflets“ von Mara lassen Bass- und Altpanflöte im Wechsel fast das ganze Panflötenregister durchbrausen und zeigen, wie hübsch der Ton des Instruments mit dem schnellen, französischen Vibrato klingt. So richtig in ihrem Element schien die Panflöte in traditionellen rumänischen Weihnachtsmelodien und einer bunten Zugabe irgendwo zwischen Folklore und Neuer Musik, die Schlubeck viele verschiedene Spieltechniken erlaubte und ein wenig einer bunten Husaren-Nummer glich.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/506037?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597181%2F696359%2F
Supersause auch ohne Kaiserwetter
Ein vielfältiges Programm für Jung und Alt bot die fünfte Auflage des Stadtfests „Münster Mittendrin“. Auch beim Konzert am Samstagabend auf dem Domplatz (großes Bild) stand der Nachwuchs im wahrsten Sinne des Wortes mittendrin.
Nachrichten-Ticker