Kultur Münster
Ein Theater auf Weltniveau

Freitag, 22.01.2010, 16:01 Uhr

Münster - Südamerikanischer Seelenbalsam für Künstlerseelen aus Münster. Theater Titanick zeigt ein „Spektakel auf Weltniveau “. So lautete die Schlagzeile von „El Mercurio“ aus Chile . Die führende Tageszeitung des südamerikanischen Landes ist konservativ, wird seit 1827 herausgegeben und gilt als älteste immer noch erscheinende Zeitung der Welt in spanischer Sprache. Ein Lob aus solchem Munde hört Uwe Köhler auch nicht alle Tage. Und der Chef vom Theater Titanick ist viel herumgekommen.

Aber Chile bedeutete etwas Besonderes: „Der Umzug in der Hauptstadt Santigao de Chile war in 20 Jahren das Berührendste, was wir erlebt haben“, ist Köhler noch hörbar eingenommen von der Stimmung, die Anfang des Jahres auf den Straßen der Metropole herrschte. Die Republik feiert ihr 200-jähriges Bestehen und hatte sich zu diesem Zweck weltweit nach den besten „Acts“ umgeschaut. Und Münsters „Titanicker“ waren zusammen mit dem Tanztheater Pina Bausch und den „Riesen von Berlin“ der französische Straßentheater-Compagnie „Royal des Luxe“ dabei. Dessen Chef Jean-Luc Courcoult schwärmt: „Neben Frankreich ist Chile meine zweite Heimat - wegen des Publikums.“

Und auch Uwe Köhler findet kaum Worte für die Begeisterungsfähigkeit der Chilenen: „Alle Titanick-Mitarbeiter waren hinterher aufgelöst und zitterten vor Rührung, wie das Publikum reagiert hat.“ Vielleicht liege es daran, dass die dort gezeigten „Firebirds“ den Traum vom Fliegen auf die Straße bringen. Nach der Pinochet-Diktatur, die das freie Leben und öffentliche Feiern lähmte, bekommt der spektakuläre Traum der „Männer in den fliegenden Kisten“ in dem historischen Kontext eine tiefere Bedeutung - zumal die „Rennstrecke“ an der Kathedrale begann und vorm Präsidenten-Palast auf dem Platz der Verfassung endete, wo links eine Figur des 1973 durch Militärputsch gestürzten und ums Leben gekommenen Präsidenten Salvador Aliende und rechts der abgebaute Sockel des Diktators Pinochet steht. Uwe Köhler, der auf Spanisch moderierte, fragte: „Was ist für Euch der Traum vom Fliegen?“ Und als dann Tausende auf den Straßen darauf reagierten, wurden Künstler und Publikum zu einer Gemeinschaft in einem Fest der Freiheit.

Die „Firebirds“-Aufführung gefiel derart gut, dass das Open-Air-Festival in Costa Rica im März nun nicht mehr die Produktion „Insect“, sondern ebenfalls „Firebirds“ haben möchte. Tragikomisch: Denn der Container wurde, just als Köhler unverzüglich in Chile anrief, gerade aufs Schiff geladen. Nun schippert das gesamte Equipment einmal über den Atlantik nach Hamburg, wird aufs nächste Schiff geladen und fährt „stante pede“ wieder zurück, noch mal durch den Panama-Kanal.

Hoffentlich bleibt ihm dabei eine Schikane erspart: Weil die Chilen pikiert auf alles aus Holz reagieren, mussten die Titanicker jenen Wagen, den ihnen Bauer Inckmann aus Amelsbüren einst für „Pax“ überlassen hat, kostenintensiv desinfizieren lassen. In Chile wurde das Fahrzeug nach Bakterien gescannt. Und die Südamerikaner wurden fündig. An einem der „Firebirds“-Fahrzeuge sind Gänsefedern installiert, um Flügel zu simulieren. Für 5000 Dollar musste der Flaum antibakteriell behandelt werden.

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