Sonstiges
Kunst oder Krieg?

Sonntag, 10.01.2010, 18:01 Uhr

Münster - Ein Stück über den Krieg ? Ein Stück über die Kunst? Dea Loher , die angesehene Gegenwartsautorin, wollte beides. Und ein Monolog, in dem eine Malerin über Möglichkeiten und Grenzen bildnerischen Ausdrucks reflektiert, ist ein faszinierender Ansatz - finden Kriege wie der in Afghanistan doch fast nur in Bildern statt. Die Dramatikerin fand zu diesem Thema nach einem Schreibworkshop in Afghanistan 2005. Im Kleinen Bühnenboden war nun die Münster-Premiere des Monodramas „Land ohne Worte“ unter Regie von Franz Bernhard Schrewe („Theater mit allen Sinnen“) zu sehen und wurde mit herzlichem Applaus aufgenommen.

Schwarz und weiß ist die Bühne (Markus Maier). Schwarz die Leinwand, auf der die Malerin ( Jutta Maier ) zu Beginn wie traumverloren weiße Farbe mit den Händen verschmiert. Noch ist kein Krieg, kein Schmerz - nur die Selbstbespiegelung einer Künstlerin, die nicht weiß, wohin. Die an ihren malerischen Mitteln (ver-)zweifelt. „Dieses Verlangen nach Schönheit. Das gibt doch keiner zu, was wirklich schön ist.“ Und dann redet sie sich in Rage, wobei die Autorin scharfzüngige, oft kluge Gedanken über die Kunst einflicht und die Schauspielerin dazu wild mit den Augen funkelt. „Cézanne brauchte seine Äpfel nicht, weil er Obstmaler war.“ Dann hübsche Seitenhiebe auf Georgia O´Keeffe, auf Petunienblüte und Tierkadaver: „Das Bild lügt dich an! Ein Supermodel-Bild des Lebens.“ An Provozieren liege ihr nichts, sagt die Malerin, „aber der Schmerz muss dabei sein!“

Schmerz ist das Stichwort: Plötzlich wird sie, die wie das Klischee der gelangweilten Selbstverwirklicherin aussieht, von Kriegsvisionen geplagt. Endlich scheint das „kunstpopulistische“ Geplapper eine Richtung zu bekommen; einen Sinn, der die Mühe lohnt. Doch außer Verachtung für oberflächliche Club-Besitzer und gelackte Pool-Szenen à la David Hockney findet sie nichts.

Jutta Maiers Stärke ist das Spiel mit den Augen. Gut wird der Hunger nach Sinn und Ausdruck fühlbar. Ein sehenswertes Stück über Kunst - keins über Krieg.

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