Hochschule Münster
Sie feuern aus allen Rohren: "Rundgang 2010" an der Kunstakademie Münster

Mittwoch, 03.02.2010, 18:02 Uhr

Münster - Das fängt ja gut an. Kaum hat der Besucher das Foyer der Kunstakademie am Leonardo-Campus betreten, schon steht er vor einem Silber-Pavillon. Dieser lädt zum Verweilen ein, wären da nicht die Schilder auf dem Dach, die sich bis weit in die erste Etage türmen. „Nein Danke“ steht da drauf, und sogar Rotkäppchen gibt dem bösen Wolf zu verstehen, das hier nichts zu holen ist. Ein böses Omen für den „ Rundgang 2010“?

Überhaupt nicht. Denn die Studierenden, die bis einschließlich Sonntag ihre aktuellen Arbeiten und Projekte präsentieren, feuern aus allen Rohren. Zeitigt das neue Strömungen in der Kunst? „Zurzeit nicht“, sagt Prof. Dirk Löbbert , und setzt hinzu: „Das ist vielleicht die Strömung, dass es keine gibt.“

Löbbert betreut mit seinem Kollegen Guillaume Bijl den Rundgang, der schon im Foyer mit Hinguckern aufwartet. Nicht nur mit Michael Pohls „Nein Danke“-Installation. Daneben hängt der Unfallwagen von Andre Stücher. Bis vor Kurzem fuhr er mit dem Automobil mit der eigenwilligen Aufschrift „Ordnungsland“ noch durch die Gegend. Dann hat´s geknallt - und so wurde Kunst daraus. Immerhin! Eine Etage höher setzen Marina Schell und Sara Dietrich die letzten Stiche in ihren von Hand genähten Iglu. In ihm einen Fußball zu sehen, ist wohl die rein männliche Sicht auf die Kunst.

Wer sich zur Klasse von Lili Fischer aufmacht, kann sich der Batterie von Kakerlaken anschließen, die Nina Kerr vorschickt. Wer Glück hat, trifft Julie Weißbach an, die versonnen am Klavier spielt - in wunderbarer Symbiose zu ihren Bildern von Menschen mit Tatoos, die Geschichte erzählen. Und Claudia Lassmann lässt wieder den Hund von der Leine - mit Karacho springt er aus der Wand.

Malerei dominiert den Raum der Klasse von Cornelius Völker - trotz des Podestes für Skulpturen. Blickfang hier: die Fotos von Eilike Schenkhoff - gut gewählte Ausschnitte von Modell-Arrangements. Gewohnt stark, aber quantitativ ausgedünnt: die Klasse des in Kürze scheidenden Prof. Hermann-Josef Kuhna. Gan-Erdene Tsend lockt hier mit archaischen Landschaften, in denen sich miniaturhaft Reiter oder Pferde verlieren. Dafür präsentiert sich der Raum der Klasse Michael van Ofen, schon vor dem „Emscherprojekt“, der „Ruhr. 2010“ verpflichtet: Silke Albrecht hat ein Wandbild zum Thema „Industriebauten“ gemalt, und Til Martin Köster hat aus Stryropor einen Stahlträger gefertigt, der tonnenschwer wirkt und von der Decke hängt.

Der Raum der Klasse von Daniel Bueti ist mit Stühlen voll gestellt. Ob gestern Abend wohl jemand den Studierenden Manuel Talarico ersteigert hat, der sich fürs „Putzen, Waschen und Einkaufen“ empfielt - „... allerdings mit der linken Hand“?

An „Dalli-Dalli“ fühlt sich erinnert, wer Frederike Gahrmanns „Bienenwaben“ im Raum der Klasse Kinoshita. Auch Inga Krügers styroporener „Setzkasten“ mutet als Reminiszenz an alte Zeiten an. Darauf beruft sich auch Isabelle von Schilcher aus der Klasse von Henk Visch: Sie nutzt zwei alte, beleuchtete Badezimmerschränke für ihre Kindheitserinnerungen - „die trägt man heute noch mit sich mit“. Miriam Jonas (aus der Klasse der Künstlerin Katharina Fritsch, die demnächst zur Kunstakademie nach Düsseldorf wechselt) führt das Rückblick-Prinzip indes ad absurdum. Sie hat „in abbruchreifen Häusern“ Projektile und Bomben gesammelt und diese vergoldet, „als morbide Kriegssouvenirs“.

Filzpantoletten muss sich überziehen, wer die Klasse von Dirk Löbbert besucht: steril wirkt der weiße Raum mit dem „White Cube“ im Mittelpunkt. Katharina Monka hat darin Körperteile aus Fiberglas wie im Schlachthof an Haken aufgereiht.Auch Su Jin Kims „Korsett für den Kuss eines Liebespaares“ ist aus diesem Material und erinnert an menschliche Ersatzteile.

Maria-Magdalena Lippert (Klasse Guillaume Bijl) prangert dagegen die schöne neue Welt des Internets an - mit ihrem Globus, der keine Länder mehr verzeichnet, sondern den Google-Schriftzug trägt. Sun-Hwa Lee hat mit einem kunstvollen Riss Nam June Paiks Buch mit der These „Kunst ist Betrug“ ans Tageslicht geholt. Und so endet der Rundgang für manchen ähnlich provokant, wie er mit „Nein Danke“ begonnen hat.

» Der Rundgang in der Kunstakademie (Leonardo Campus 2) ist geöffnet von heute bis Sonntag (4. bis 7. Februar), jeweils von 10 bis 20 Uhr.

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